Ladungssicherung von Stückgut: Nicht die Palette fährt – die Physik fährt mit

25.05.2026 15:27
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#1 Ladungssicherung von Stückgut: Nicht die Palette fährt – die Physik fährt mit
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Neuer VCI-Leitfaden L-I-S: Ladungssicherung von Stückgut praxisnah erklärt



Worum geht es?


Der Verband der Chemischen Industrie hat den neuen Leitfaden L-I-S – Ladungssicherungs-Informationssystem zur Ladungssicherung von Stückgut veröffentlicht. Die aktuelle Fassung stammt vom 07. Mai 2026.

Erarbeitet wurde das L-I-S gemeinsam von VCI, VCH, BGL und DSLV. Damit ist der Leitfaden nicht nur ein Papier aus der Verladerwelt, sondern ein gemeinsames Praxisdokument aus Chemie, Chemiehandel, Güterkraftverkehr und Spedition. Genau das macht ihn für Transportunternehmer interessant.

Kein Lehrbuch – sondern ein Praxiswerkzeug


Der Leitfaden versteht sich ausdrücklich nicht als allgemeines Lehrbuch zur Ladungssicherung. In der PDF heißt es sinngemäß: Das L-I-S setzt Fachkompetenz, Kenntnisse der gesetzlichen Vorschriften und eine sorgfältige Umsetzung in der Praxis voraus.

Das ist ein wichtiger Punkt: Der Leitfaden nimmt niemandem die Verantwortung ab. Er zeigt aber anhand konkreter Beispiele, wie Ladeeinheiten gebildet und Stückgüter im Lkw, Wechselbehälter oder Container gesichert werden können.




Was der neue L-I-S-Leitfaden abdeckt


Der Leitfaden behandelt unter anderem:

  • grundsätzliche Anforderungen an die Ladungssicherung,
  • Verpackung und Bildung stabiler Ladeeinheiten,
  • Praxisbeispiele für Fässer, Kanister, IBC, Kartons, Oktabins und Big Bags,
  • Sicherung im Lkw, Wechselbehälter und Container,
  • Unterschiede zwischen Code-XL-Aufbauten, Kofferaufbauten und Plane-Spriegel-Fahrzeugen,
  • Lastverteilung, Prozesskosten und Eignung des Frachtraums,
  • Checklisten zur Überprüfung des Frachtraums.

Der VCI beschreibt das L-I-S als Sammlung von Praxisbeispielen aus der chemischen Industrie und dem Chemiehandel. Diese Beispiele sollen helfen, geeignete Methoden für die Ladungssicherung von Stückgütern auszuwählen.

Die zentrale Aussage: Ladungssicherung beginnt vor dem Lkw


Besonders deutlich wird im Leitfaden: Ladungssicherung beginnt nicht erst, wenn der Fahrer den Gurt in die Hand nimmt. Sie beginnt bereits bei der Verpackung und bei der Frage, ob aus einzelnen Gebinden überhaupt eine stabile Ladeeinheit gebildet wurde.

Der Leitfaden nennt als Einflussfaktoren unter anderem die Auswahl der Verpackung, die Bildung und Sicherung von Ladeeinheiten, die Ausstattung des Frachtraums, die Art der Verladung und die Prozesskosten.

Für die Praxis heißt das: Wenn Fässer, Kanister oder Kartons nur lose auf einer Palette stehen, wird die spätere Sicherung im Fahrzeug schwieriger, teurer und fehleranfälliger.

Physik unterscheidet nicht zwischen Gefahrgut und normalem Stückgut


Ein wichtiger Gedanke aus dem Leitfaden: Gefährliche und ungefährliche Güter unterliegen denselben physikalischen Kräften. Bei Gefahrgut können die Folgen eines Fehlers nur deutlich schwerwiegender sein.

Das ist auch für Transportunternehmer außerhalb der Chemielogistik relevant. Denn Bremsen, Ausweichmanöver, Kurvenfahrt, Rangierstöße, Umschlag oder Seegang wirken auf jede Ladung – unabhängig davon, was auf dem Lieferschein steht.

Code XL ist hilfreich – aber kein Freibrief


Der Leitfaden geht auch auf moderne Fahrzeugaufbauten ein. Code-XL-Aufbauten nach DIN EN 12642 können den Aufwand für die Ladungssicherung reduzieren, wenn die Bedingungen des Zertifikats eingehalten werden.

Aber: Entscheidend bleibt das konkrete Zertifikat. Freiräume, Aufbauzustand, Ladungsart, Ladehöhe, Reibung und Hilfsmittel müssen zur jeweiligen Verladung passen. Ein Code-XL-Auflieger ersetzt also keine Prüfung vor Ort.

Warum der Leitfaden für Unternehmer interessant ist


Für Transportunternehmer ist das L-I-S vor allem deshalb wichtig, weil es die Schnittstelle zwischen Verlader, Fahrer, Spedition und Fahrzeugausrüstung sichtbar macht.

In der Praxis entstehen viele Probleme genau dort:

  • Die Ware ist nicht sauber zur Ladeeinheit verbunden.
  • Der Fahrer bekommt keine klaren Vorgaben.
  • Das Fahrzeugzertifikat wird nicht geprüft.
  • Freiräume werden unterschätzt.
  • Gurte werden eingesetzt, obwohl Formschluss oder andere Sicherungssysteme sinnvoller wären.
  • Antirutschmatten, Sperrbalken oder Zurrpunkte sind nicht passend oder nicht einsatzfähig.

Der Leitfaden macht deutlich: Gute Ladungssicherung ist kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis eines abgestimmten Prozesses.

Unsere Einschätzung


Der neue VCI-Leitfaden L-I-S ist kein schneller Spickzettel für die Rampe. Er ist eher ein praxisnahes Nachschlagewerk für Unternehmen, die Stückgut sicher und wiederholbar verladen wollen.

Für Transportunternehmer ist besonders wertvoll, dass der Leitfaden nicht nur über Gurte spricht, sondern den gesamten Prozess betrachtet: Verpackung, Palette, Ladeeinheit, Fahrzeug, Aufbauzertifikat, Lastverteilung und Verantwortlichkeiten.

Oder anders gesagt: Wer Ladungssicherung erst auf der Ladefläche beginnt, fängt zu spät an.

Frage in die Runde


Kennt ihr den neuen VCI-Leitfaden L-I-S schon – und wird bei euren Verladern wirklich nach solchen Vorgaben gearbeitet, oder entscheidet an der Rampe oft noch der Zeitdruck?

Quelle



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