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Tausende neue Fahrzeuge – aber noch mehr werden außer Betrieb gesetzt
Tausende neue Fahrzeuge – aber noch mehr werden außer Betrieb gesetzt
Die Zulassungszahlen der vergangenen Jahre haben eine unbequeme Frage aufgeworfen:Geht es unserer Branche vielleicht doch nicht so schlecht, wie wir häufig denken?
Denn Jahr für Jahr werden zehntausende neue Sattelzugmaschinen und Sattelanhänger zugelassen. Das klingt zunächst nach Investitionskraft, Wachstum und Zuversicht.
Doch die Neuzulassungen zeigen nur die eine Seite des Marktes.
Die andere Seite sind die Fahrzeuge, die gleichzeitig außer Betrieb gesetzt werden. Und genau hier verändert sich das Bild erheblich.
Worum geht es?
Das Kraftfahrt-Bundesamt veröffentlicht in der Statistik FZ 5 sowohl die Neuzulassungen als auch die Außerbetriebsetzungen von Fahrzeugen.
Für die Jahre 2021 bis 2024 wurden zwei besonders branchenrelevante Fahrzeuggruppen ausgewertet:
- Sattelzugmaschinen
- Sattelanhänger
Damit lässt sich erstmals nicht nur betrachten, wie viele neue Fahrzeuge auf den Markt kommen, sondern auch, wie viele Fahrzeuge im selben Jahr außer Betrieb gesetzt werden.
Sattelzugmaschinen: Deutlich mehr Abmeldungen als Neuzulassungen
Bei den Sattelzugmaschinen ergibt sich in allen vier betrachteten Jahren das gleiche Bild:
- 2021: 29.698 Neuzulassungen gegenüber 47.811 Außerbetriebsetzungen
- 2022: 32.608 Neuzulassungen gegenüber 48.445 Außerbetriebsetzungen
- 2023: 42.426 Neuzulassungen gegenüber 60.645 Außerbetriebsetzungen
- 2024: 32.221 Neuzulassungen gegenüber 55.991 Außerbetriebsetzungen
Rechnerisch standen damit jedes Jahr deutlich mehr Außerbetriebsetzungen als Neuzulassungen gegenüber.
Der rechnerische Bewegungssaldo betrug:
- 2021: minus 18.113 Fahrzeuge
- 2022: minus 15.837 Fahrzeuge
- 2023: minus 18.219 Fahrzeuge
- 2024: minus 23.770 Fahrzeuge
2024 fällt dabei besonders auf. Obwohl noch immer mehr als 32.000 neue Sattelzugmaschinen zugelassen wurden, wurden gleichzeitig fast 56.000 außer Betrieb gesetzt.

Sattelanhänger: Der Markt kippt seit 2023 deutlich
Bei den Sattelanhängern war das Verhältnis zunächst ausgeglichener:
- 2021: 32.265 Neuzulassungen gegenüber 34.144 Außerbetriebsetzungen
- 2022: 38.872 Neuzulassungen gegenüber 37.273 Außerbetriebsetzungen
- 2023: 32.182 Neuzulassungen gegenüber 39.634 Außerbetriebsetzungen
- 2024: 28.208 Neuzulassungen gegenüber 41.319 Außerbetriebsetzungen
2022 war das einzige Jahr, in dem die Neuzulassungen die Außerbetriebsetzungen übertrafen.
Seitdem öffnet sich die Schere deutlich.
Der rechnerische Bewegungssaldo lag:
- 2021: bei minus 1.879 Sattelanhängern
- 2022: bei plus 1.599 Sattelanhängern
- 2023: bei minus 7.452 Sattelanhängern
- 2024: bei minus 13.111 Sattelanhängern
Gerade bei den Sattelanhängern zeigt sich damit eine klare Verschlechterung der Marktdynamik.
Die entscheidende Einschränkung
Eine Außerbetriebsetzung bedeutet nicht automatisch:
- Verschrottung,
- endgültige Stilllegung,
- Insolvenz des Halters,
- oder vollständiges Verschwinden des Fahrzeugs aus dem Markt.
Ein Fahrzeug kann vorübergehend stillgelegt, verkauft, exportiert oder später erneut zugelassen werden.
Deshalb dürfen Neuzulassungen und Außerbetriebsetzungen nicht einfach als exakte Bestandsrechnung verstanden werden.
Der rechnerische Saldo zeigt aber sehr wohl, wie stark die Bewegung im Markt ist und ob die Neuzulassungen ausreichen, um die hohe Zahl der Abmeldungen auszugleichen.
Was sagen die Zahlen wirklich aus?
Die bisherige Betrachtung der Neuzulassungen allein konnte den Eindruck vermitteln, dass weiterhin in großem Umfang investiert und neue Kapazität aufgebaut wird.
Die Außerbetriebsetzungen relativieren dieses Bild.
Bei den Sattelzugmaschinen werden Jahr für Jahr erheblich mehr Fahrzeuge außer Betrieb gesetzt als neu zugelassen.
Bei den Sattelanhängern hat sich das Verhältnis seit 2023 ebenfalls deutlich ins Negative verschoben.
Das spricht eher für:
- einen starken Austausch alter Fahrzeuge,
- eine hohe Zahl von Verkäufen und Exporten,
- eine Bereinigung von Fuhrparks,
- weniger zusätzliche Kapazität als zunächst vermutet,
- und eine zunehmende Zurückhaltung bei Investitionen.
Geht es der Branche nun gut oder schlecht?
Die Antwort bleibt differenziert.
Ja, es werden weiterhin zehntausende neue Sattelzugmaschinen und Sattelanhänger zugelassen.
Das zeigt, dass nach wie vor Geld, Finanzierung und Investitionsbereitschaft vorhanden sind.
Aber gleichzeitig werden noch mehr Fahrzeuge außer Betrieb gesetzt.
Die hohen Neuzulassungszahlen sind deshalb kein eindeutiger Beweis für Wachstum.
Sie können genauso gut bedeuten, dass alte Fahrzeuge ersetzt werden, Fuhrparks bereinigt werden oder Fahrzeuge nach einem Halterwechsel erneut in einem anderen Markt auftauchen.
Die Branche investiert also weiterhin – aber daraus folgt nicht automatisch, dass sie wächst.
Was bedeutet das für Transportunternehmer?
Für Unternehmer ist nicht die Zahl der bestellten Fahrzeuge entscheidend.
Entscheidend ist:
- Wie viele Fahrzeuge tatsächlich dauerhaft im Markt bleiben,
- ob zusätzliche Transportkapazität entsteht,
- ob die Frachtnachfrage mit dieser Kapazität Schritt hält,
- und ob mit den Fahrzeugen überhaupt noch eine vernünftige Rendite erwirtschaftet wird.
Ein neuer Lkw ist noch kein Beweis für einen gesunden Betrieb.
Er kann auch das Ergebnis eines notwendigen Ersatzes, eines Leasingvertrages, einer Kundenanforderung oder einer technischen Vorgabe sein.
Unsere Einschätzung
Die Zahlen zeigen keine boomende Branche.
Sie zeigen vielmehr einen Markt mit hoher Bewegung.
Viele Fahrzeuge kommen neu hinzu, gleichzeitig werden aber noch mehr Fahrzeuge abgemeldet.
Das spricht nicht für grenzenloses Wachstum, sondern eher für einen starken Austausch, eine Marktbereinigung und möglicherweise auch für eine zunehmende Konzentration auf größere und finanzstärkere Unternehmen.
Die entscheidende Aussage lautet deshalb:
Neuzulassungen sind nicht automatisch Wachstum.
Erst der tatsächliche Fahrzeugbestand zeigt, ob die Transportkapazität in Deutschland wirklich zunimmt oder schrumpft.
Für eine endgültige Bewertung müssten wir deshalb im nächsten Schritt die Bestandszahlen zum 1. Januar jedes Jahres hinzunehmen.
Frage in die Runde
Wie bewertet ihr diese Zahlen?
Werden tatsächlich weniger Fahrzeuge im deutschen Markt eingesetzt?
Oder spiegeln die hohen Außerbetriebsetzungen vor allem Exporte, Halterwechsel und vorübergehende Stilllegungen wider?
Und vor allem:
Ist die Branche wirklich im Wachstum – oder tauschen wir nur immer mehr alte Fahrzeuge gegen neue aus?
Quellen und weiterführende Informationen
- Kraftfahrt-Bundesamt – FZ 5: Neuzulassungen, Besitzumschreibungen und Außerbetriebsetzungen
- Kraftfahrt-Bundesamt – Statistiken zu Außerbetriebsetzungen
- Kraftfahrt-Bundesamt – Statistiken zu Fahrzeugneuzulassungen
- Kraftfahrt-Bundesamt – Fahrzeugbestand in Deutschland
- VDA – Monatliche Zulassungszahlen und Zeitreihen
Datengrundlage der Auswertung: KBA-Statistik FZ 5 für die Jahre 2021 bis 2024. Eine Außerbetriebsetzung bedeutet nicht automatisch Verschrottung oder einen endgültigen Marktaustritt des Fahrzeugs.
#2 RE: Tausende neue Fahrzeuge – aber noch mehr werden außer Betrieb gesetzt
Neuzulassungen sind kein Wachstumsbeweis.
Wer die Transportbranche allein an neu zugelassenen Sattelzugmaschinen und Sattelanhängern misst, sieht nur die halbe Wahrheit.
Ja, es wird investiert.
Aber investiert wird derzeit vor allem in Modernisierung, Effizienz und Ersatz.
Neue Fahrzeuge sind am Markt teilweise attraktiv zu bekommen, weil Hersteller und Händler selbst unter Absatzdruck stehen. Wer heute kauft oder least, baut deshalb nicht automatisch Kapazität auf. Oft wird lediglich ein älteres Fahrzeug durch ein moderneres ersetzt.
Entscheidend ist der Saldo.
Wenn weniger Fahrzeuge neu zugelassen als außer Betrieb gesetzt werden, dann ist das kein Wachstum. Dann ist das Flottenbereinigung.
Und diese Entwicklung passt zur Realität vieler Unternehmen.
Die Branche leidet nicht nur unter Kostendruck und schwachen Margen. Sie leidet vor allem unter fehlendem Fahrpersonal.
Ein Fahrzeug ohne Fahrer ist keine Kapazität.
Es ist gebundenes Kapital.
Deshalb reduzieren Unternehmer Reservebestände, trennen sich von älteren Einheiten und konzentrieren sich auf Fahrzeuge, die tatsächlich produktiv eingesetzt werden können.
Das Ergebnis ist kein Boom.
Das Ergebnis ist ein Markt, der sich modernisiert und gleichzeitig verkleinert.
Die Branche kauft nicht größer.
Sie kauft jünger.
Und häufig bleibt am Ende weniger Fuhrpark im Markt.
Grüße
Gemüseschubser
#3 RE: Tausende neue Fahrzeuge – aber noch mehr werden außer Betrieb gesetzt
Genau darauf wurde bereits in Beitrag #1 hingewiesen: Zwischen 2021 und 2024 sind rund 80.000 Nutzfahrzeuge aus dem deutschen Markt verschwunden beziehungsweise hier nicht mehr zugelassen worden.
Dass diese Fahrzeuge nicht einfach „weg“ sind, sondern in erheblichem Umfang in andere Märkte – insbesondere nach Osteuropa – abgewandert sein dürften, liegt nahe. Ebenso nachvollziehbar ist, dass dort im gleichen Zeitraum entsprechende Kapazitäten aufgebaut oder sogar überproportional erweitert wurden.
Mit anderen Worten: Während der deutsche Markt massiv an Fahrzeugbestand und damit auch an Transportkapazität verloren hat, sind diese Kapazitäten an anderer Stelle offenbar hinzugekommen. Genau diese Verschiebung ist ein zentraler Punkt der aktuellen Entwicklung.
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