Frankreich plant weitere Lkw-Maut: A31 und andere Transitachsen im Grand Est betroffen

17.07.2026 09:38
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Arndt

Frankreich plant weitere Lkw-Maut: A31 und andere Transitachsen im Grand Est betroffen


Nach dem bereits beschlossenen R-PASS im Elsass bereitet auch die französische Region Grand Est eine kilometerabhängige Abgabe für schwere Nutzfahrzeuge vor.

Die sogenannte Éco-Contribution Poids Lourds – ECPL soll nach offiziellen Unterlagen der Region voraussichtlich Mitte 2027 eingeführt werden. Betroffen sein sollen Güterfahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 3,5 Tonnen.

Besonders relevant ist das Vorhaben für internationale Transporte über die A31 zwischen Luxemburg, Thionville, Metz und Nancy.

525 Kilometer Straßennetz unter regionaler Verwaltung


Seit dem 1. Januar 2025 verwaltet die Region Grand Est im Rahmen eines französischen Modellversuchs insgesamt 525 Kilometer bislang staatlicher Autobahnen und Nationalstraßen.

Dazu gehören:
  • A31, A30, A33 und A313
  • RN4, RN44, RN431
  • ein Abschnitt der RN52 in Meurthe-et-Moselle

Auf einigen dieser Strecken stammen nach Angaben der Regionalverwaltung zwischen 60 und mehr als 90 Prozent der Lkw entweder aus anderen französischen Regionen oder aus dem Ausland.

Die Region begründet die geplante Abgabe mit dem hohen Transitverkehr und dem erheblichen Sanierungsbedarf des Straßennetzes.

A31 steht besonders im Mittelpunkt


Für deutsche und internationale Transportunternehmen ist vor allem die A31 von Bedeutung. Sie verbindet die luxemburgische Grenze über Thionville, Metz und Nancy mit den weiterführenden Nord-Süd-Verbindungen in Frankreich.

Die A31 gehört ausdrücklich zu dem Straßennetz, das der Region Grand Est vom französischen Staat übertragen wurde.

Das bedeutet allerdings noch nicht automatisch, dass die gesamte A31 mautpflichtig wird. Nach der gesetzlichen Grundlage kann die Region alle oder nur bestimmte Abschnitte des übernommenen Netzes in die Abgabe einbeziehen.

Eine endgültige Liste der mautpflichtigen Strecken wurde bisher nicht veröffentlicht.

Start offiziell für Mitte 2027 vorgesehen


In älteren Veröffentlichungen war allgemein von einer Einführung im Jahr 2027 die Rede. Im offiziellen „Panorama der Mobilität“ der Region Grand Est wird der geplante Start inzwischen konkreter mit Mitte 2027 angegeben.

Ein konkretes Datum wie der 1. Juni oder 1. Juli 2027 wurde bislang jedoch nicht verbindlich festgelegt.

Noch keine offiziellen Mautsätze


Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wurden noch keine endgültigen Tarife veröffentlicht.

Offen sind insbesondere:

  • die genaue Höhe der Abgabe je Kilometer,
  • die endgültig mautpflichtigen Straßenabschnitte,
  • die Staffelung nach Gewicht, Achsen und CO₂-Klasse,
  • mögliche Rabatte für regelmäßige Nutzer,
  • das technische Erhebungs- und Abrechnungssystem,
  • die Nutzung vorhandener EETS-Mautgeräte.

Die französische Rechtsgrundlage ermöglicht eine Differenzierung der Tarife nach Fahrzeug- und CO₂-Emissionsklassen. Auch zeitabhängige Aufschläge bei besonders hoher Verkehrsbelastung sind grundsätzlich möglich.

Bevor die Abgabe eingeführt werden kann, müssen die wichtigsten Verbände des Straßengüterverkehrs und die betroffenen Nachbarregionen konsultiert werden. Die endgültigen Tarife und ihre Anwendungsbedingungen müssen öffentlich zugänglich gemacht werden.

Ausnahme für unverarbeitete Agrarprodukte angekündigt


Die Region Grand Est hat bereits eine erste Ausnahme angekündigt.

Unverarbeitete landwirtschaftliche Erzeugnisse sollen von der ECPL ausgenommen werden – unabhängig davon, ob sie vom Landwirt selbst oder von einem beauftragten Transportunternehmen befördert werden.

Wie diese Ausnahme in der Praxis nachgewiesen und abgewickelt wird, ist derzeit noch nicht bekannt.

Eine Milliarde Euro für Straßen und Verkehrsprojekte



Mit den Einnahmen aus der ECPL will die Region innerhalb von zehn Jahren Investitionen von rund einer Milliarde Euro ermöglichen.

Finanziert werden sollen unter anderem:

  • Sanierung und Erhaltung von Straßen und Brücken,
  • Modernisierung stark belasteter Verkehrsachsen,
  • Lärmschutz- und Sicherheitsmaßnahmen,
  • Förderung emissionsärmerer Lkw-Flotten,
  • Ausbau von Schienen- und Wasserstraßenverkehren.

R-PASS und ECPL sind zwei unterschiedliche Systeme


Der geplante R-PASS im Elsass und die ECPL der Region Grand Est dürfen nicht miteinander verwechselt werden.

Der R-PASS im Elsass soll bereits am 1. Januar 2027 starten. Die ECPL der Region Grand Est ist dagegen ein weiteres, eigenständiges Mautvorhaben mit einem geplanten Start zur Jahresmitte 2027.

Damit könnten Transportunternehmen innerhalb weniger Monate mit zwei neuen regionalen Lkw-Abgaben im Osten Frankreichs konfrontiert werden.

Frankreich-Maut-Rechner im Forum


Für die Kalkulation französischer Transportrelationen steht im Forum bereits unser eigener Frankreich-Maut-Rechner zur Verfügung.

Die zunehmende Regionalisierung der französischen Lkw-Maut macht es allerdings immer schwieriger, einen zuverlässigen und dauerhaft aktuellen Rechner zu programmieren.

Neben den zahlreichen französischen Autobahnbetreibern entstehen nun zusätzliche regionale Systeme mit möglicherweise eigenen:

  • Tarifen und Fahrzeugklassen,
  • Streckenabschnitten,
  • Rabattregelungen,
  • Abrechnungsverfahren,
  • Mautgeräten und Schnittstellen.

Frankreich entwickelt sich damit zunehmend zu einem regelrechten Maut-Flickenteppich. Für eine korrekte Berechnung reicht es künftig möglicherweise nicht mehr aus, nur die klassischen Autobahntarife der Konzessionsgesellschaften zu berücksichtigen.

Auch der R-PASS im Elsass und später die ECPL im Grand Est müssen nach Veröffentlichung der endgültigen Strecken und Tarife in den Rechner integriert werden.

Bis zum geplanten Start des R-PASS am 1. Januar 2027 bleiben immerhin noch knapp sechs Monate, um unseren Frankreich-Maut-Rechner entsprechend zu erweitern.


Für die ECPL im Grand Est bleibt bis zum geplanten Start Mitte 2027 etwas mehr Zeit. Voraussetzung für eine zuverlässige Umsetzung ist jedoch, dass die französischen Behörden rechtzeitig vollständige Tarif-, Strecken- und Fahrzeugdaten veröffentlichen.

Fazit


Die neue Lkw-Abgabe im Grand Est ist keine bloße politische Idee mehr. Die rechtlichen Voraussetzungen bestehen, die Region verwaltet das betreffende Straßennetz bereits und nennt Mitte 2027 als geplanten Einführungstermin.

Noch nicht entschieden sind jedoch die für Transportunternehmen wichtigsten Punkte: Streckennetz, Mautsätze, Fahrzeugstaffelung, Zahlungsabwicklung und mögliche Vergünstigungen.

Fest steht: Neben dem R-PASS im Elsass müssen Transportunternehmen ab 2027 mit einer weiteren regionalen Lkw-Abgabe auf wichtigen französischen Transitachsen rechnen – und der französische Maut-Flickenteppich wird damit noch komplizierter.


Offizielle Quellen



Stand: 17. Juli 2026. Die endgültigen Mautsätze und das vollständige mautpflichtige Streckennetz wurden noch nicht veröffentlicht.

Gruß vom Arndt


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