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Ein Fahrer – fünf Lkw: China macht ernst

20.08.2026 15:29
#1 Ein Fahrer – fünf Lkw: China macht ernst
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Arndt

Ein Fahrer – fünf Lkw: China macht ernst – Volvo testet das Prinzip seit Jahren


Ein Fahrer sitzt im ersten Lkw, vier weitere Fahrzeuge folgen automatisiert. Was derzeit aus China unter dem Schlagwort „1+4“ für Aufmerksamkeit sorgt, könnte einen ziemlich konkreten Vorgeschmack auf die Zukunft des Straßengüterverkehrs geben.

Neu ist die Grundidee allerdings nicht. Volvo und andere europäische Unternehmen beschäftigen sich seit mehr als 15 Jahren mit elektronisch gekoppelten Fahrzeugverbänden und autonomen Transportlösungen. Neu ist vielmehr, mit welchem wirtschaftlichen Anspruch China diese Technik jetzt skalieren will.

China: Ein Fahrer – vier Lkw ohne Fahrer


Gemeinsam mit SANY Heavy Truck entwickelt Pony.ai die vierte Generation autonomer schwerer Lkw. Das sogenannte „1+4“-Konzept sieht einen von einem Menschen gefahrenen Führungs-Lkw und vier fahrerlose Folgefahrzeuge vor.

Die vierte Fahrzeuggeneration soll 2026 in die Serienproduktion und den kommerziellen Einsatz gehen. Nach Angaben von SANY könnten die Transportkosten je Kilometer auf Grundlage bisheriger Testszenarien um 29 Prozent sinken. Gleichzeitig nennt der Hersteller eine mögliche Steigerung des operativen Gewinns um 195 Prozent.

Das sind Herstellerangaben und keine Garantie dafür, dass sich diese Werte später unter europäischen Einsatzbedingungen erreichen lassen. Die Richtung ist trotzdem eindeutig: Vier der fünf Lkw benötigen keinen eigenen Fahrer mehr.





Volvo beschäftigte sich schon 2009 mit dem Prinzip


Wer nun glaubt, China habe den Lkw-Konvoi neu erfunden, liegt falsch. Volvo war bereits am EU-Forschungsprojekt SARTRE – Safe Road Trains for the Environment beteiligt, das von 2009 bis 2012 lief.

Dabei führte ein von einem Berufskraftfahrer gesteuerter Volvo FH einen elektronisch verbundenen Fahrzeugverband an. Die nachfolgenden Fahrzeuge erhielten Fahr-, Lenk- und Bremsinformationen drahtlos vom Führungsfahrzeug und konnten automatisiert folgen.

2012 demonstrierte Volvo einen solchen „Road Train“ mit einem Volvo FH als Führungsfahrzeug, einem weiteren Lkw und drei Pkw. In vorherigen Versuchen fuhren nachfolgende Fahrzeuge bereits automatisiert mit bis zu 90 km/h und Abständen von nur rund sechs Metern.

2016 gingen drei Volvo-Lkw auf Europatour


Bei der European Truck Platooning Challenge 2016 wurde das Prinzip mit schweren Lkw auf öffentlichen Straßen weiter erprobt.

Drei Volvo-Lkw fuhren von Göteborg durch mehrere europäische Länder bis nach Rotterdam. Die Fahrzeuge kommunizierten drahtlos miteinander und passten Geschwindigkeit sowie Bremsvorgänge automatisch an.

Wichtig ist allerdings der Unterschied zum heutigen chinesischen 1+4-Konzept: 2016 saßen noch Fahrer in allen Lkw. Platooning war damals vor allem ein Assistenz- und Vernetzungskonzept – noch kein Modell zum Ersatz von vier Fahrern.



Volvo fährt inzwischen tatsächlich ohne Sicherheitsfahrer


Volvo blieb jedoch nicht beim Platooning stehen. Seit 2018 entwickelt Volvo Autonomous Solutions beim norwegischen Unternehmen Brønnøy Kalk einen vollständig autonomen Transportbetrieb.

Sieben autonome Volvo FH transportieren Kalkstein über eine rund fünf Kilometer lange Strecke zwischen Mine und Brecher. Die Strecke umfasst Tunnel, Steigungen und anspruchsvolle Wetterbedingungen.

2023 wurde der Sicherheitsfahrer aus den Fahrzeugen entfernt. Seitdem laufen die Transporte dort vollständig autonom. Bis Mai 2025 hatten die Fahrzeuge bereits mehr als eine Million Tonnen Kalkstein und über 220.000 Kilometer autonom zurückgelegt.

Volvo: Sicherheitsfahrer bei Brønnøy Kalk entfernt

Volvo: Eine Million Tonnen autonom transportiert

Der nächste Schritt: autonomer Fernverkehr


Inzwischen verlagert Volvo die Technik zunehmend auf klassische Fernverkehrsstrecken. In Texas setzt Volvo Autonomous Solutions den speziell für autonomes Fahren entwickelten Volvo VNL Autonomous ein.

Seit 2024 laufen dort autonome Transporte unter anderem für DHL. Im Mai 2026 gab Volvo außerdem den Start kommerzieller Transporte für DSV zwischen Dallas und Houston bekannt.

Damit rückt die Technik aus abgeschlossenen Industrie- und Bergbauarealen immer näher an den normalen Straßengüterverkehr heran.

China erfindet es nicht – China will es skalieren


Genau darin liegt der interessante Unterschied.

Volvo und Europa haben zentrale Elemente des Platoonings bereits vor mehr als 15 Jahren erfolgreich getestet. Volvo betreibt heute sogar vollständig fahrerlose Lkw in einem kommerziellen Transportbetrieb.

China geht nun einen anderen Schritt: Das 1+4-System von SANY und Pony.ai soll nicht nur technisch funktionieren, sondern möglichst schnell in größeren Stückzahlen ein wirtschaftliches Geschäftsmodell werden.

Und damit wird die Entwicklung für uns Transportunternehmer richtig interessant.

Denn wenn ein Fahrer tatsächlich fünf Lkw bewegen kann, verändern sich nicht nur die Personalkosten. Auch Lenkzeiten, Fahrzeugauslastung, Tourenplanung und die Kalkulation eines Transportunternehmens würden sich grundlegend verändern.

Die entscheidende Frage lautet deshalb längst nicht mehr: Kann ein Lkw autonom fahren?

Die Frage lautet: Wann wird daraus ein Geschäftsmodell, das im normalen Straßengüterverkehr wirtschaftlich funktioniert – und was bedeutet das dann für unseren Wettbewerb?

PS: vor 8 Jahren hab ich den Volvo-Konvoi in Göteborg auf dem Testgelände fahren gesehen. Abends ging es dann in die schwedische unbewohnte Landschaft zum Test.

Gruß vom Arndt


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