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Nachruf auf Klaus-Michael Kühne

24.08.2026 12:33
#1 Nachruf auf Klaus-Michael Kühne
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Arndt

Ein Großer der Logistik ist gegangen – Nachruf auf Klaus-Michael Kühne


Klaus-Michael Kühne ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Mit ihm verliert die Transport- und Logistikwirtschaft einen ihrer prägendsten Unternehmer. Für uns Transportunternehmer bleibt vor allem die Lebensleistung eines Mannes, der verstanden hat, dass Spedition weit mehr sein kann als der Transport einer Ware von A nach B.

Klaus-Michael Kühne war einer der reichsten Deutschen. Doch allein auf sein Vermögen zu schauen, würde seiner unternehmerischen Lebensleistung nicht gerecht. Seine eigentliche Geschichte ist die eines Spediteurs, der aus einem mittelständischen Familienunternehmen einen weltweit führenden Logistikkonzern formte.

1958 trat Kühne in das Familienunternehmen Kühne+Nagel ein. Bereits 1966 übernahm er die Führung des Konzerns. Es folgten Jahrzehnte, in denen er das Unternehmen internationalisierte, neue Märkte erschloss und aus der klassischen Spedition einen modernen Anbieter für weltweite Lieferketten entwickelte. Seit 2011 war er Ehrenpräsident von Kühne+Nagel.

Vom Speditionsunternehmen zum Weltkonzern


Was aus dieser Entwicklung entstanden ist, zeigt die Dimension seiner Lebensleistung: Kühne+Nagel beschäftigt heute rund 85.000 Menschen an mehr als 1.300 Standorten in fast 100 Ländern. Das Unternehmen gehört zu den weltweit führenden Logistikdienstleistern und bezeichnet sich in der Luft- und Seefracht als globale Nummer eins. Rund 400.000 Kunden werden weltweit betreut.

Für einen Transportunternehmer sind solche Zahlen beeindruckend. Noch bemerkenswerter ist jedoch der Weg dorthin.

Kühne erkannte sehr früh, dass sich die Spedition verändern würde. Internationale Netzwerke, Luft- und Seefracht, Kontraktlogistik, integrierte Lieferketten und später digitale Steuerung wurden immer wichtiger. Aus Transport wurde Logistik – und aus Logistik wurde zunehmend das Management kompletter Warenströme.

Kühne+Nagel hat diesen Wandel nicht nur begleitet, sondern an vielen Stellen mitgestaltet.

Unternehmer sein heißt auch Risiko tragen


Seine Karriere verlief dabei keineswegs ausschließlich geradeaus. Kühne traf Entscheidungen, ging Risiken ein und musste auch Rückschläge verkraften. Gerade das gehört zu einer ehrlichen Würdigung eines Unternehmers.

Er hat erlebt, dass Expansion teuer werden kann und dass sich Märkte anders entwickeln können als geplant. Aber er besaß etwas, das im Unternehmertum entscheidend ist: die Fähigkeit, nach Rückschlägen wieder aufzustehen, Strukturen neu zu ordnen und erneut nach vorn zu schauen.

Vielleicht ist gerade das eine seiner wichtigsten unternehmerischen Botschaften.

Erfolg entsteht nicht dadurch, niemals eine falsche Entscheidung zu treffen. Erfolg entsteht auch dadurch, eine falsche Entscheidung zu erkennen, Konsequenzen daraus zu ziehen und anschließend wieder mutig zu handeln.

Er dachte weit über Kühne+Nagel hinaus


Mit der Kühne Holding entstand schließlich ein Beteiligungsunternehmen, dessen Schwerpunkt bis heute stark auf Transport, Logistik und Verkehr liegt.

Die Holding hält die Mehrheit an Kühne+Nagel. Hinzu kommen unter anderem rund 30 Prozent an Hapag-Lloyd, rund 20 Prozent an der Lufthansa sowie bedeutende Beteiligungen an Brenntag und Flix.

Gerade sein Engagement bei Hapag-Lloyd zeigt, wie eng Kühne trotz seines Wohnsitzes in der Schweiz mit Hamburg und der Verkehrswirtschaft verbunden blieb. Rund eine Milliarde Euro investierte er in die Reederei und trug damit wesentlich dazu bei, dass dieses traditionsreiche Unternehmen in Hamburg erhalten blieb.

Aus Sicht eines Transportunternehmers ist daran etwas besonders bemerkenswert: Kühne investierte sein Vermögen immer wieder dort, wo er die Zusammenhänge verstand.

Spedition, Schifffahrt, Luftverkehr, Mobilität – er blieb seiner Branche im Kern treu.

Er investierte nicht nur in Unternehmen, sondern auch in Wissen


Vielleicht wird ein anderer Teil seines Lebenswerks langfristig ebenso wichtig sein wie seine Unternehmensbeteiligungen.

Bereits 1976 gründete Klaus-Michael Kühne gemeinsam mit seinen Eltern die Kühne-Stiftung. Zu ihren zentralen Aufgaben gehören die Förderung von Aus- und Weiterbildung sowie Wissenschaft und Forschung auf den Gebieten Logistik und Verkehr. Später kamen umfangreiche Engagements in Medizin und Kultur hinzu.

Besonders sichtbar ist dieses Engagement in der Kühne Logistics University in Hamburg. Kühne war deren Gründer und Förderer. Seine Idee dahinter war bemerkenswert: Logistik sollte nicht lediglich als betriebliche Funktion betrachtet werden, sondern als eigenständige Managementdisziplin, für die hervorragend ausgebildete Führungskräfte benötigt werden.

Damit investierte er nicht nur in den nächsten Auftrag oder das nächste Unternehmen.

Er investierte in die nächste Generation unserer Branche.

Was ein Transportunternehmer von Klaus-Michael Kühne lernen kann


Unsere Betriebe sind mit Kühne+Nagel kaum vergleichbar. Viele von uns führen zehn, zwanzig oder fünfzig Lkw und keine Niederlassungen auf mehreren Kontinenten.

Aber Unternehmertum funktioniert im Kleinen wie im Großen nach erstaunlich ähnlichen Regeln.

Man muss bereit sein, Verantwortung zu übernehmen. Man muss Veränderungen früher erkennen als andere. Man darf sein Unternehmen nicht nur für den nächsten Monat führen. Und man muss manchmal investieren, obwohl der Erfolg noch nicht garantiert ist.

Klaus-Michael Kühne dachte langfristig.

Er dachte in Netzwerken.

Er verstand, dass Wissen, Daten, Infrastruktur und gute Mitarbeiter mindestens genauso wichtig sind wie Fahrzeuge, Schiffe oder Flugzeuge.

Und er wusste, dass ein Unternehmen nur dann über Generationen Bestand haben kann, wenn es sich immer wieder verändert.

Mehr als ein Milliardär


Über Klaus-Michael Kühne wurde häufig im Zusammenhang mit Milliardenvermögen, Beteiligungen, dem Hamburger SV, Hotels oder seiner Rolle als Mäzen berichtet.

Für unsere Branche bleibt jedoch etwas anderes.

Er war ein Spediteur.

Ein Unternehmer, der aus dem Transportgeschäft kam und diesem Geschäft nahezu sieben Jahrzehnte verbunden blieb.

Aus einem mittelständischen Familienunternehmen entstand unter seiner Führung ein weltweites Logistiknetzwerk. Aus wirtschaftlichem Erfolg entstanden Beteiligungen an einigen der wichtigsten Unternehmen des internationalen Verkehrs. Und aus seinem Vermögen entstanden Einrichtungen, die Wissen über Logistik weitergeben werden, wenn die heutige Unternehmergeneration längst nicht mehr tätig ist.

Das ist eine außergewöhnliche Lebensleistung.

Ein Unternehmerleben, das Spuren hinterlässt


Man muss nicht jede Entscheidung von Klaus-Michael Kühne teilen. Große Unternehmerpersönlichkeiten polarisieren, treffen Entscheidungen und machen sich damit zwangsläufig auch angreifbar.

Doch vor der unternehmerischen Leistung kann man Respekt haben.

Klaus-Michael Kühne hat gezeigt, was aus einer Spedition entstehen kann, wenn Unternehmergeist, kaufmännisches Denken, Mut und langfristige Strategie zusammenkommen.

Für einen Transportunternehmer bleibt deshalb am Ende vielleicht ein einfacher Gedanke:

Unsere Branche bewegt nicht nur Waren. Sie verbindet Unternehmen, Länder und Menschen. Klaus-Michael Kühne hat sein Unternehmerleben darauf aufgebaut – und aus dieser Überzeugung eines der bedeutendsten Logistikunternehmen der Welt geschaffen.

Die Transport- und Logistikwirtschaft verliert eine ihrer großen Unternehmerpersönlichkeiten.

Klaus-Michael Kühne
2. Juni 1937 – 24. August 2026


Unser Mitgefühl gilt seiner Ehefrau Christine Kühne, seiner Familie sowie den Mitarbeitern und Wegbegleitern.

Ruhe in Frieden.

Gruß vom Arndt


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