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Billig ist nicht günstig – Warum der niedrigste Frachtpreis am Ende teuer werden kann

25.08.2026 19:11 (zuletzt bearbeitet: 25.08.2026 19:11)
#1 Billig ist nicht günstig – Warum der niedrigste Frachtpreis am Ende teuer werden kann
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Arndt

Billig ist nicht günstig – Warum der niedrigste Frachtpreis am Ende teuer werden kann


Bei Transportausschreibungen scheint die Rechnung zunächst einfach: Gleiche Strecke, gleiche Ware, gleicher Termin – also bekommt der günstigste Anbieter den Auftrag.

Betriebswirtschaftlich kann genau diese Rechnung jedoch zu kurz greifen. Denn der Frachtpreis auf dem Angebot ist nur ein Teil der tatsächlichen Transportkosten. Entscheidend ist am Ende nicht, welcher Transporteur auf dem Papier am billigsten war, sondern was der gesamte Transport einschließlich aller Folgekosten tatsächlich gekostet hat.

50 Euro beim Frachtpreis gespart – aber was kostet der Rest?


Ein Transporteur verlangt beispielsweise 950 Euro, ein anderer 1.000 Euro. Rein nach Einkaufspreis scheint die Entscheidung eindeutig: 50 Euro gespart.

Kommt es beim günstigeren Angebot jedoch zu Verzögerungen, fehlenden Informationen oder Problemen bei der Abwicklung, kann dieser Vorteil sehr schnell verschwinden.

Zusätzliche Kosten entstehen beispielsweise durch:

  • Nachfragen und zusätzlichen Dispositionsaufwand,
  • fehlende oder verspätete Ablieferbelege,
  • Terminüberschreitungen beim Empfänger,
  • Wartezeiten in Produktion oder Lager,
  • notwendige Ersatztransporte,
  • Reklamationen und Nachbearbeitung,
  • Produktionsstillstände oder fehlendes Material,
  • sowie unzufriedene Kunden.


Schon eine Stunde zusätzlicher Aufwand mehrerer Mitarbeiter kann einen kleinen Preisvorteil beim Transport vollständig aufzehren.

Der Frachtpreis ist sichtbar – die Folgekosten meistens nicht


Genau hier liegt ein grundsätzliches Problem vieler Transportvergaben.

Der Einkauf sieht sehr genau, ob ein Transport 950 oder 1.000 Euro kostet. Die zusätzlichen 20 Minuten des Disponenten, die drei Telefonate des Wareneingangs, eine fehlende Ablieferquittung oder eine verspätete Anlieferung tauchen dagegen häufig nicht direkt auf derselben Kostenstelle auf.

Der billigere Transport erscheint deshalb in der Statistik weiterhin als Einsparung – obwohl er das Unternehmen unter dem Strich möglicherweise mehr gekostet hat.

Eigentlich müsste deshalb nicht nur der Frachtpreis betrachtet werden, sondern eine Art „Total Cost of Transport“: Was kostet uns dieser Transport einschließlich des gesamten organisatorischen Aufwands?

Was ist ein guter Transportpartner tatsächlich wert?


Ein guter Transporteur verkauft schließlich nicht nur Kilometer.

Zum Leistungsumfang gehören auch Dinge, die sich nur schwer auf einer Frachtofferte darstellen lassen:

  • Zuverlässigkeit,
  • Erreichbarkeit,
  • saubere Kommunikation,
  • realistische Disposition,
  • geschulte und zuverlässige Fahrer,
  • geeignete und technisch zuverlässige Fahrzeuge,
  • schnelle Reaktion bei Problemen,
  • vollständige Dokumentation,
  • und Erfahrung mit Kunden, Rampen und Abläufen.


Gerade der letzte Punkt wird häufig unterschätzt. Ein Fahrer oder Disponent, der einen Kunden und dessen Besonderheiten kennt, verhindert Probleme oftmals schon, bevor sie überhaupt entstehen.

Diese Qualität kostet Geld – sie kann dem Auftraggeber aber an anderer Stelle deutlich mehr Geld sparen.

Auch der billigste Transporteur muss seine Kosten bezahlen


Für Transportunternehmer hat die Diskussion noch eine zweite Seite.

Ein Lkw verursacht Kosten unabhängig davon, welchen Frachtpreis ein Auftraggeber zahlen möchte. Fahrerlohn, Diesel, Maut, Versicherungen, Finanzierung, Reifen, Reparaturen, Verwaltung und Fahrzeugbeschaffung verschwinden nicht durch eine günstigere Ausschreibung.

Hinzu kommt der aktuell wieder deutlich steigende Kostendruck. Nach dem europäischen Straßengüterverkehrsindex von IRU, Upply und Transport Intelligence lagen die Betriebskosten im zweiten Quartal 2026 fast 10 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Gleichzeitig stiegen sowohl Vertrags- als auch Spotfrachtraten deutlich.

Aktuelle IRU-Auswertung zum europäischen Straßengüterverkehr

Wer dauerhaft Preise akzeptiert, die seine tatsächlichen Kosten nicht decken, kann diese Differenz nicht beliebig lange auffangen.

Ein extrem niedriger Preis sollte deshalb auch Fragen auslösen


Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass ein günstiger Anbieter automatisch schlecht arbeitet. Unterschiedliche Kostenstrukturen, Rückladungen, Netzwerke oder eine besonders passende Tour können völlig legitime Preisunterschiede ermöglichen.

Aber wenn ein Angebot erheblich unter dem marktüblichen Niveau liegt, sollte nicht nur Freude über die vermeintliche Ersparnis aufkommen.

Dann wären Fragen angebracht:

  • Warum kann dieser Unternehmer den Transport deutlich günstiger durchführen?
  • Passt die Tour besonders gut in sein Netzwerk?
  • Handelt es sich um eine Rückladung?
  • Ist die Kalkulation tatsächlich kostendeckend?
  • Welche Leistungsqualität kann dauerhaft erwartet werden?


Eine seriöse Transportvergabe sollte deshalb Preis und Leistung gemeinsam bewerten.

Transportqualität zeigt ihren Wert meistens erst dann, wenn etwas schiefläuft


Solange jeder Transport pünktlich läuft, erscheint die Dienstleistung austauschbar.

Der Unterschied zeigt sich oftmals erst bei einer Vollsperrung, einem Fahrzeugausfall, einer verspäteten Beladung oder einer kurzfristigen Änderung beim Kunden.

Dann entscheidet sich, ob niemand erreichbar ist – oder ob ein Disponent anruft, informiert, eine Alternative organisiert und den Empfänger auf dem Laufenden hält.

Genau diese Leistung steht auf keiner Preisliste.

Dauerhafter Preisdruck kann für beide Seiten teuer werden


Eine Transportbeziehung funktioniert langfristig nur, wenn beide Seiten wirtschaftlich arbeiten können.

Natürlich muss ein Verlader Preise vergleichen und seine Logistikkosten im Griff behalten. Ebenso selbstverständlich muss ein Transportunternehmer wettbewerbsfähig kalkulieren.

Problematisch wird es dort, wo eine Transportvergabe fast ausschließlich über den niedrigsten Preis erfolgt.

Denn wer einen zuverlässigen Dienstleister wegen weniger Euro austauscht, spart zunächst sichtbar beim Frachteinkauf – übernimmt dafür aber möglicherweise höhere Risiken bei Qualität, Verfügbarkeit und Abwicklung.

Und wenn leistungsfähige Transportbetriebe dauerhaft keine auskömmlichen Preise mehr erzielen, verschwinden irgendwann genau die Kapazitäten, die bei Engpässen dringend benötigt werden.

Nicht der billigste Transport ist entscheidend – sondern der wirtschaftlichste


Vielleicht müsste deshalb bei Ausschreibungen häufiger eine andere Frage gestellt werden.

Nicht:

„Wer fährt diese Tour am billigsten?“

Sondern:

„Welcher Transportpartner bringt diese Sendung mit dem besten Verhältnis aus Preis, Zuverlässigkeit und Aufwand ans Ziel?“

Das klingt zunächst nach einem kleinen Unterschied.

Für den tatsächlichen Unternehmenserfolg kann es jedoch ein sehr großer sein.

Denn ein guter Transport darf seinen Preis haben.

Teuer wird es häufig erst dann, wenn man an der falschen Stelle gespart hat.

Gruß vom Arndt


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