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JOST übernimmt CTJ Janssen – aber wer ist JOST eigentlich?
31.08.2026 21:52 (zuletzt bearbeitet: 31.08.2026 21:52)
#1 JOST übernimmt CTJ Janssen – aber wer ist JOST eigentlich?
JOST übernimmt CTJ Janssen – aber wer ist JOST eigentlich?
In der deutschen Transportbranche dürfte der Name CTJ Janssen vielen ein Begriff sein. Jetzt bekommt das traditionsreiche Transport- und Logistikunternehmen aus Grevenbroich einen neuen Eigentümer: Die belgisch-luxemburgische JOST Group übernimmt CTJ Janssen vollständig. Mit dem Kauf macht die Gruppe einen weiteren großen Schritt auf dem deutschen Markt.Und dieser Schritt ist beachtlich: CTJ Janssen beschäftigt rund 650 Mitarbeiter, verfügt über etwa 400 Lkw und mehr als 500 Trailer und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von ungefähr 135 Millionen Euro. Unter Einbeziehung von Subunternehmern und Spotmarkt werden täglich rund 650 Fahrzeuge disponiert.
Doch wer steckt eigentlich hinter JOST?
Vom kleinen Transportunternehmen zum europäischen Logistikkonzern
Die Geschichte der JOST Group begann bereits 1958. Nicolaus Jost gründete das Unternehmen mit etwa 20 Lkw, zu den ersten Geschäftsfeldern gehörten Transporte von Holz und Stahlprodukten. 1986 übernahm Roland Jost das Unternehmen und leitete eine Phase starken Wachstums ein.
Aus dem klassischen Transportunternehmen entwickelte sich nach und nach eine international tätige Transport- und Logistikgruppe. Dabei setzte JOST nicht nur auf organisches Wachstum, sondern insbesondere seit den 1990er-Jahren immer wieder auf gezielte Unternehmensübernahmen. Heute gehören Straßengüterverkehr, Teil- und Komplettladungen, Containertransporte, temperaturgeführte Verkehre, Luftfracht, multimodale Transporte, Lagerlogistik, Spedition und Zollabwicklung zum Leistungsspektrum.
Das bekannte Markenzeichen der Gruppe ist das Känguru.
JOST ist längst kein kleiner belgischer Transporteur mehr
Bereits vor der Übernahme von CTJ gehörte JOST zu den großen europäischen Transport- und Logistikunternehmen. Nach Integration von Janssen soll die Gruppe nach Unternehmensangaben auf ungefähr folgende Größenordnung kommen:
• rund 4.000 Mitarbeiter
• rund 2.100 Lkw
• rund 4.500 Trailer
• mehr als 800.000 m² Logistikfläche
• Aktivitäten in zehn Ländern Europas und Nordafrikas
Damit bewegt sich JOST inzwischen in einer Größenordnung, die weit über das ursprüngliche klassische Transportunternehmen hinausgeht.
Wachstum durch Übernahmen hat bei JOST Tradition
Ein Blick auf die vergangenen Jahre zeigt, dass der Kauf von CTJ Janssen keineswegs eine Ausnahme ist. Unternehmenszukäufe gehören seit vielen Jahren zur Wachstumsstrategie und wurden gezielt genutzt, um neue Verkehrsarten, Regionen und Logistikleistungen in die Gruppe zu integrieren.
• 2013 – CPL Trans / Alcra Flash: Einstieg beziehungsweise Ausbau des Luftfrachtgeschäfts.
• 2015 – TTS: Mit der Übernahme kamen unter anderem Tank-, Chemie- und multimodale Transportaktivitäten hinzu.
• 2017 – Nadin: Ausbau von Distribution, Stückgut und Expressverkehren in Belgien und Luxemburg.
• 2017 – Kuijpers Cargo Service (KCS): Übernahme des niederländischen Luftfrachtspezialisten mit Standorten unter anderem in Maastricht und Köln.
• 2017 – Charlier Group: Weitere Verstärkung der Stückgut-, Distributions- und Lagerlogistik.
• 2021 – Anné-Louagie: Spezialist für internationale Containertransporte, insbesondere Richtung Frankreich und Schweiz.
• 2021 – BE-TRANS: Ein besonders bedeutender Zukauf im Containerverkehr mit etwa 200 Lkw und 350 Aufliegern.
• 2024 – Handico International: Ausbau der Hafen- und Lagerlogistik im Raum Antwerpen mit Zollabwicklung, Cross-Docking sowie Pick & Pack.
• 2024 – Antwerp Mobile Repair: Spezialist für Reparatur und Wartung von Chassis, Trailern und Containern.
• 2026 – CTJ Janssen: Mit rund 650 Mitarbeitern und 400 eigenen Lkw gehört die aktuelle Transaktion zu den größeren Übernahmen der jüngeren JOST-Geschichte.
Warum ist CTJ Janssen für JOST interessant?
Der Kauf passt ziemlich genau in die bisherige Strategie. CTJ Janssen sitzt in Grevenbroich in Nordrhein-Westfalen und damit mitten in einer der wirtschaftlich und logistisch wichtigsten Regionen Deutschlands. Das Unternehmen ist seit mehr als 40 Jahren im Straßengüterverkehr, in der Logistik und Lagerhaltung tätig.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Kunden aus der Lebensmittel-, Getränke- und Konsumgüterindustrie. CTJ ist sowohl im Teil- als auch im Komplettladungsverkehr tätig. JOST erhält damit nicht nur zusätzliche Fahrzeuge und Umsatz, sondern vor allem einen etablierten Zugang zum deutschen Markt, bestehende Kundenbeziehungen, Personal und ein funktionierendes Verkehrsnetz.
Für JOST ist Deutschland ausdrücklich der größte Logistikmarkt Europas und damit von strategischer Bedeutung.
CTJ Janssen soll weitergeführt werden
Interessant ist auch die personelle Seite der Übernahme. CTJ wird nicht einfach abgewickelt und in einer anonymen Konzernstruktur verschwinden. Der bisherige geschäftsführende Gesellschafter Olaf Meyers soll das Unternehmen weiterhin als Geschäftsführer führen.
Auch dieses Vorgehen kennt man von früheren JOST-Übernahmen: Bestehende Strukturen, Führungskräfte und Know-how werden häufig zunächst erhalten und anschließend in das größere Netzwerk eingebunden.
Vom Familienbetrieb zum europäischen Netzwerk
Die Entwicklung von JOST zeigt exemplarisch, wie sich die europäische Transportbranche verändert. Aus einem Unternehmen mit rund 20 Lkw entstand innerhalb weniger Jahrzehnte eine Gruppe mit mehr als 2.000 Lkw. Viele Wachstumsschritte erfolgten nicht allein durch zusätzliche Fahrzeuge, sondern durch die Übernahme regional starker und spezialisierter Transport- und Logistikunternehmen.
Containerverkehr, Luftfracht, Stückgut, Distribution, Lagerlogistik, Tankverkehre und nun eine deutlich stärkere Position im deutschen Straßengüterverkehr wurden auf diese Weise Stück für Stück ergänzt. Die Übernahme von CTJ Janssen erscheint deshalb weniger als Einzelereignis, sondern vielmehr als Fortsetzung einer seit Jahrzehnten verfolgten Expansionsstrategie.
Für den deutschen Transportmarkt dürfte interessant werden, ob Janssen der große Schritt von JOST nach Deutschland bleibt – oder ob weitere Zukäufe folgen.
Quellen und weitere Informationen
JOST Group – Mitteilung zur Übernahme von CTJ Janssen
TRANSPORT – JOST Unternehmensgruppe: Übernahme von CTJ Janssen
IMAP – Verkauf der CTJ Janssen GmbH an JOST
JOST Group – Unternehmensinformationen

31.08.2026 21:54
#2 JOST Group – die Schattenseite einer europäischen Erfolgsgeschichte
JOST Group – die Schattenseite einer europäischen Erfolgsgeschichte
Mit der Übernahme von CTJ Janssen macht die belgische JOST Group einen gewaltigen Schritt auf dem deutschen Transportmarkt. Rund 650 Mitarbeiter, etwa 400 Lkw und mehr als 500 Trailer kommen hinzu. Nach Angaben von JOST erwirtschaftet CTJ einen Jahresumsatz von rund 135 Millionen Euro. Die Fachzeitung TRANSPORT berichtet, dass JOST das mittelständische Unternehmen im Rahmen eines Closings Mitte August 2026 vollständig übernommen hat.
In unserem ersten Bericht haben wir uns deshalb mit der Frage beschäftigt: Wer ist JOST eigentlich? Dabei zeigte sich ein beeindruckender Aufstieg vom klassischen Transportunternehmen zum europäischen Logistikkonzern. Doch zu dieser Unternehmensgeschichte gehört auch eine wesentlich weniger glänzende Seite.
Über Jahre stand die JOST Group im Mittelpunkt eines außergewöhnlich umfangreichen Ermittlungsverfahrens rund um Sozialbetrug, den Einsatz osteuropäischer Fahrer und die Frage, unter welchen Sozial- und Beschäftigungsbedingungen diese tatsächlich eingesetzt wurden. Wer die heutige Größe und Expansionsstrategie von JOST beurteilen möchte, sollte deshalb auch diesen Teil der Unternehmensgeschichte kennen.
2017: Großrazzia bei JOST
Öffentlich eskalierte der Fall im Mai 2017. Nach Angaben der belgischen föderalen Staatsanwaltschaft liefen die Ermittlungen bereits seit 2015. Rund 120 Ermittler waren an einer groß angelegten Aktion beteiligt. An etwa 15 Standorten fanden rund 20 Hausdurchsuchungen statt, beteiligt waren auch Behörden aus Luxemburg und Rumänien.
Unter den Festgenommenen befand sich Firmenchef Roland Jost. Gegen ihn und weitere Führungskräfte wurden Haftbefehle erlassen. Roland Jost befand sich zeitweise in Untersuchungshaft und anschließend unter elektronischer Überwachung. Anfang Juni 2017 wurde der Haftbefehl aufgehoben.
Die damaligen Verdachtsmomente waren außerordentlich schwer. Die Ermittlungen umfassten unter anderem:
• Sozialbetrug
• Sozialdumping
• Menschenhandel
• Geldwäsche
• kriminelle Organisation
Allein für die Jahre 2014 bis 2016 gingen die Ermittlungsbehörden damals von möglicherweise 55,3 Millionen Euro entgangenen Sozialabgaben aus.
An dieser Stelle ist eine wichtige Unterscheidung notwendig: Ermittlungsverdacht und spätere gerichtliche Feststellung sind nicht dasselbe. Gerade die besonders schweren Vorwürfe wegen Menschenhandels, Geldwäsche und krimineller Organisation wurden am Ende des Verfahrens nicht weiterverfolgt.
Der Kern des Verfahrens: osteuropäische Fahrer im westeuropäischen Verkehr
Im Zentrum stand das Beschäftigungsmodell mit Gesellschaften insbesondere in Rumänien und der Slowakei. Nach Darstellung der Ermittlungsbehörden sollen mehr als 1.100 osteuropäische Fahrer über dortige Gesellschaften eingesetzt worden sein, obwohl wesentliche Transporte von Belgien aus organisiert wurden beziehungsweise die Fahrer tatsächlich im westeuropäischen Verkehrsmarkt tätig waren.
Genau an diesem Punkt berührt der Fall eine der empfindlichsten Fragen des europäischen Straßengüterverkehrs. Wenn ein rumänisches oder slowakisches Transportunternehmen tatsächlich von dort wirtschaftet und seine Fahrer entsprechend beschäftigt, ist das zunächst Teil des europäischen Binnenmarktes. Problematisch wird es jedoch, wenn eine ausländische Gesellschaft faktisch hauptsächlich dazu dienen sollte, Fahrer zu erheblich günstigeren Lohn- und Sozialbedingungen einzusetzen, während die tatsächliche wirtschaftliche Tätigkeit dauerhaft von einem anderen Mitgliedstaat aus organisiert wird.
Der wirtschaftliche Unterschied ist enorm. Ein Transportunternehmer, der Fahrer nach belgischen, deutschen oder niederländischen Sozial- und Lohnbedingungen beschäftigt, muss im selben Markt gegen Wettbewerber antreten, die erheblich niedrigere Personalkosten realisieren können. Die Frage, welche Gesellschaft tatsächlich Arbeitgeber ist und von welchem Staat aus ein Fahrer normalerweise arbeitet, ist damit nicht nur eine juristische Feinheit – sie entscheidet über erhebliche Wettbewerbsvorteile.
Roland Jost wurde 2017 erneut festgenommen
Der Vorgang war mit den ersten Durchsuchungen keineswegs beendet. Im Dezember 2017 wurden Roland Jost und der damalige Finanzverantwortliche Christophe Ravignat im Zuge der weiteren Ermittlungen erneut festgenommen. Beide kamen kurze Zeit später wieder frei.
JOST wies die Vorwürfe während des gesamten Verfahrens zurück beziehungsweise vertrat die Auffassung, im Einklang mit europäischem Recht gehandelt zu haben. Das Unternehmen verwies unter anderem darauf, dass die europäischen Regelungen zur grenzüberschreitenden Beschäftigung unterschiedlich ausgelegt würden.
2019: Die Justiz greift nach 346 JOST-Lkw
Welche Dimension der Fall erreicht hatte, zeigte sich besonders im Frühjahr 2019. Zunächst wurden 19 Fahrzeuge versiegelt. Ende März erhielt die föderale Staatsanwaltschaft dann grünes Licht, bis zu 346 Lkw der rumänischen JOST-Tochter Skiptrans zu beschlagnahmen.
VRT berichtete am 1. April 2019, dass die Justiz mit der Beschlagnahme begonnen hatte. 18 Fahrzeuge seien zu diesem Zeitpunkt bereits festgesetzt worden. Die 346 Lkw entsprachen damals fast einem Viertel der rund 1.500 Fahrzeuge umfassenden JOST-Flotte.
Das Unternehmen reagierte scharf und bestritt weiterhin die Vorwürfe. Die vollständige Immobilisierung der 346 Fahrzeuge blieb letztlich nicht bestehen; die Beschlagnahme dauerte nach späterer Zusammenfassung des Verfahrens nur wenige Tage.
Trotzdem verdeutlicht der Vorgang, wie ernst die Ermittlungsbehörden den Verdacht damals bewerteten. Eine angedrohte beziehungsweise begonnene Beschlagnahme von mehreren hundert Lastwagen ist selbst für einen großen europäischen Transportkonzern alles andere als gewöhnlich.
30 Millionen Euro – JOST einigt sich mit der Staatsanwaltschaft
Nach jahrelangen Ermittlungen kam es schließlich zu einer strafrechtlichen Einigung zwischen der JOST Group und der belgischen föderalen Staatsanwaltschaft. Im Oktober 2021 wurde bekannt, dass eine Vereinbarung über 30 Millionen Euro ausgehandelt worden war.
Im Januar 2022 wurde der Vergleich von der zuständigen Ratskammer in Lüttich genehmigt. Damit wurden die entsprechenden sozialrechtlichen Verfahren gegen die Unternehmensgruppe beendet.
JOST erklärte anschließend ausdrücklich, dass die Einigung hinsichtlich der sozialrechtlichen Punkte kein Schuldeingeständnis darstelle. Gleichzeitig bestätigte das Unternehmen selbst, dass sich die Ermittlungen ursprünglich auch auf die Vorwürfe kriminelle Organisation, Menschenhandel und Geldwäsche erstreckt hatten.
Diese besonders schweren Vorwürfe wurden am Ende der Untersuchung nicht weiterverfolgt beziehungsweise fallengelassen.
Das muss bei einer kritischen Betrachtung ausdrücklich erwähnt werden. Es wäre falsch zu behaupten, die JOST Group sei wegen Menschenhandels, Geldwäsche oder Bildung einer kriminellen Organisation verurteilt worden.
Aber genauso falsch wäre es, deshalb die gesamte Affäre als gegenstandslos darzustellen. Ein strafrechtlicher Vergleich über rund 30 Millionen Euro nach jahrelangen Ermittlungen über die Beschäftigung osteuropäischer Fahrer ist für ein Transportunternehmen keine unbedeutende Randnotiz.
Für Roland Jost persönlich war die Sache noch nicht beendet
Mit dem Vergleich der Unternehmensgruppe war das Verfahren für Roland Jost persönlich noch nicht vollständig abgeschlossen. Nach Angaben von JOST entschied er sich, einzelne sozialrechtliche Punkte persönlich vor der Strafjustiz weiterzuverfolgen.
Im September 2022 wurde zunächst ein Vergleich bekannt, der eine mehrjährige Bewährungsstrafe vorsah. Das Lütticher Strafgericht akzeptierte diese erste Vereinbarung jedoch im Oktober 2022 nicht. Anschließend musste eine neue Lösung ausgehandelt werden.
Am 17. Januar 2023 akzeptierte das Gericht schließlich einen neuen Vergleich zwischen Roland Jost und der föderalen Staatsanwaltschaft.
Dieser sah vor:
• 18 Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung
• 4,8 Millionen Euro Geldstrafe
• davon 200.000 Euro unmittelbar zu zahlen
• die verbleibenden 4,6 Millionen Euro unter Bewährungsbedingungen
Nach Angaben des BRF müsste Roland Jost die restlichen 4,6 Millionen Euro zahlen, sollte er innerhalb von drei Jahren erneut straffällig werden.
Damit wurde die jahrelange „Akte Jost“ schließlich abgeschlossen.
Roland Jost gibt den CEO-Posten ab
Noch während der juristischen Aufarbeitung kam es auch an der Unternehmensspitze zu Veränderungen. Im September 2022 gab Roland Jost seinen Posten als CEO der JOST Group ab.
Transportmedia berichtete damals über einen Zusammenhang mit dem laufenden Verfahren und der geplanten gerichtlichen Einigung. Roland Jost blieb jedoch Eigentümer und zunächst Vorsitzender des Verwaltungsrates.
Damit zog er sich zwar aus der operativen Unternehmensführung zurück, blieb der Gruppe aber weiterhin verbunden.
Neue Vorwürfe auch während des laufenden Verfahrens
Für zusätzliche Brisanz sorgte, dass die Kritik am Beschäftigungsmodell während des laufenden Verfahrens nicht völlig verstummte. Im Jahr 2020 erhob die belgische Gewerkschaft CSC/ACV-Transcom erneut Vorwürfe gegen JOST und kündigte rechtliche Schritte an.
Im Mittelpunkt standen erneut rumänische Fahrer der JOST-Tochter Skiptrans. Nach Darstellung der Gewerkschaft seien Fahrer per Flugzeug von Bukarest nach Maastricht gebracht und anschließend von Belgien aus eingesetzt worden. Zusätzlich kritisierte die Gewerkschaft damals die Unterbringungs- und Sanitärbedingungen.
Auch der Vorwurf wurde erhoben, belgische Fahrer einer luxemburgischen JOST-Gesellschaft seien in wirtschaftliche Arbeitslosigkeit geschickt und durch rumänische Fahrer ersetzt worden.
JOST und seine Anwälte wiesen diese Vorwürfe ausdrücklich zurück und bezeichneten die Aussagen der Gewerkschaft als diffamierend.
Für diese späteren Gewerkschaftsvorwürfe liegt uns keine entsprechende rechtskräftige Verurteilung vor. Deshalb dürfen sie nicht als festgestellte Tatsachen dargestellt werden.
Die Gewerkschaften blieben auch 2023 kritisch
Auch mit dem Abschluss des persönlichen Verfahrens gegen Roland Jost war die Kritik der Gewerkschaften nicht beendet. CSC Transcom reagierte ausgesprochen scharf auf die Vereinbarung von Januar 2023.
Die Gewerkschaft argumentierte, die damalige juristische Aufarbeitung betreffe im Wesentlichen Vorgänge aus der Zeit vor 2017. Gleichzeitig behauptete CSC Transcom, dass weiterhin osteuropäische Fahrer über benachbarte Flughäfen nach Westeuropa gebracht und dort eingesetzt würden.
Auch hier gilt: Das ist die Darstellung der Gewerkschaft und keine von uns festgestellte beziehungsweise gerichtlich bestätigte Tatsache.
Die Kritik zeigt aber, wie tief der Konflikt zwischen Teilen der belgischen Transportgewerkschaften und JOST über Jahre geworden war.
Sozialdumping – nur ein Problem von JOST?
Man sollte allerdings vermeiden, den gesamten Konflikt auf ein einzelnes Unternehmen zu reduzieren. JOST war keineswegs der einzige europäische Transportkonzern, bei dem Ermittlungsbehörden und Gewerkschaften die Beschäftigung osteuropäischer Fahrer und Gesellschaftskonstruktionen kritisch untersuchten.
Auch JOST selbst verwies darauf, dass belgische Behörden im Zuge größerer sektoraler Untersuchungen weitere Transportunternehmen überprüften. Das grundsätzliche Problem war und ist wesentlich größer: Der europäische Straßengüterverkehr wurde über viele Jahre durch enorme Unterschiede bei Löhnen, Sozialversicherungsbeiträgen und Unternehmensstandorten geprägt.
Trotzdem bleibt der Fall JOST aufgrund seiner Größenordnung außergewöhnlich. Eine Untersuchung über viele Jahre, Festnahmen von Führungskräften, zeitweise elektronische Überwachung, der Zugriff auf Hunderte Lastwagen und schließlich ein Vergleich über 30 Millionen Euro sind Dimensionen, die in der europäischen Transportbranche deutlich herausragen.
Aus Sicht eines Transportunternehmers bleibt ein bitterer Beigeschmack
Gerade mittelständische Transportunternehmer kennen das Problem. Wer Fahrer regulär beschäftigt, Tarif- beziehungsweise marktübliche Löhne bezahlt, Sozialabgaben entrichtet, Fahrzeuge im eigenen Land zulässt und sämtliche nationalen Kosten trägt, muss sich im internationalen Verkehr trotzdem mit Wettbewerbern messen, die völlig andere Kostenstrukturen nutzen können.
Europa braucht einen offenen Verkehrsmarkt. Aber ein gemeinsamer Markt funktioniert dauerhaft nur, wenn Wettbewerb nicht hauptsächlich darüber entschieden wird, in welchem Land sich Fahrer am billigsten beschäftigen lassen.
Deshalb darf man durchaus kritisch fragen, welchen Anteil unterschiedliche europäische Lohn- und Sozialkosten am enormen Wachstum großer internationaler Transportgruppen hatten. Das betrifft nicht ausschließlich JOST – aber die jahrelange JOST-Affäre macht das Problem besonders deutlich.
Beeindruckendes Wachstum – aber die ganze Geschichte gehört dazu
Unternehmerischen Erfolg kann man JOST kaum absprechen. Aus einem Unternehmen mit wenigen Lastwagen entstand innerhalb weniger Jahrzehnte einer der großen unabhängigen europäischen Transport- und Logistikkonzerne. Durch zahlreiche Übernahmen wurden Containerverkehr, Luftfracht, Stückgut, Tankverkehr, Distribution und Lagerlogistik Schritt für Schritt ergänzt.
Gleichzeitig gehört zur Geschichte dieses Konzerns eben auch die jahrelange Auseinandersetzung mit der belgischen Justiz.
Wer ausschließlich die heutigen Zahlen betrachtet – Tausende Mitarbeiter, Tausende Trailer, riesige Lagerflächen und immer neue Firmenübernahmen – erzählt deshalb nur einen Teil der Geschichte.
Unternehmerischer Erfolg sollte nicht ausschließlich daran gemessen werden, wie viele Lkw ein Unternehmen besitzt, wie hoch der Umsatz ist oder wie viele Wettbewerber übernommen werden. Entscheidend ist ebenfalls, unter welchen wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen dieses Wachstum erreicht wird.
Und jetzt übernimmt JOST CTJ Janssen
Vor diesem Hintergrund erhält die aktuelle Übernahme von CTJ Janssen eine zusätzliche Dimension. JOST übernimmt ein etabliertes deutsches Transport- und Logistikunternehmen mit rund 650 Mitarbeitern, etwa 400 Lkw, mehr als 500 Trailern und rund 135 Millionen Euro Jahresumsatz.
CTJ Janssen soll nach den bisher veröffentlichten Angaben weitergeführt werden. Der bisherige geschäftsführende Gesellschafter Olaf Meyers bleibt Geschäftsführer. JOST spricht von gemeinsamen Werten, nachhaltigem Wachstum, operativer Exzellenz und einer stärkeren Präsenz auf dem größten europäischen Logistikmarkt.
Das klingt zunächst positiv.
Nach der Vorgeschichte der JOST Group dürfte es für die deutsche Transportbranche allerdings interessant sein, genauer hinzusehen: Welche Strukturen bleiben bei CTJ erhalten? Wie verändert sich das Unternehmen innerhalb der JOST Group? Welche Gesellschaften übernehmen künftig welche Verkehre? Und unter welchen Beschäftigungsbedingungen werden diese Transporte durchgeführt?
Das bedeutet nicht, dass sich alte Vorgänge zwangsläufig wiederholen. Aber bei einem Konzern mit dieser Vorgeschichte sind solche Fragen legitim.
Vielleicht sollte die Überschrift deshalb nicht nur lauten:
„JOST übernimmt CTJ Janssen – wer ist JOST?“
Sondern auch:
„Wie wurde JOST zu dem Konzern, der heute einen deutschen Transporteur dieser Größenordnung übernehmen kann?“
Quellen und weiterführende Informationen
• TRANSPORT – JOST Unternehmensgruppe übernimmt CTJ Janssen
Aktuelle Meldung vom 31. August 2026 zum Closing und zur vollständigen Übernahme von CTJ Janssen.
• JOST Group – offizielle Mitteilung zur Übernahme von CTJ Janssen
Angaben von JOST zu CTJ, Mitarbeitern, Fahrzeugbestand, Umsatz und strategischer Bedeutung des deutschen Marktes.
• BRF – Hausdurchsuchungen und Ermittlungen bei der JOST Group, Mai 2017
Bericht über die internationalen Durchsuchungen, den Verdacht auf Sozialbetrug und die damals genannte Summe von 55,3 Millionen Euro möglicher entgangener Sozialabgaben.
• BRF – Haftbefehle gegen Roland Jost und weitere Führungskräfte
Bericht vom 9. Mai 2017 über Untersuchungshaft, Umfang der Ermittlungen und die damaligen Verdachtsmomente.
• BRF – Haftbefehl gegen Roland Jost im Juni 2017 aufgehoben
Bericht zur Aufhebung der Haftbefehle und der elektronischen Überwachung sowie zur damaligen Stellungnahme von JOST.
• VRT NWS – Justiz beginnt mit Beschlagnahme von 346 JOST-Lkw
Ausführlicher Bericht vom 1. April 2019 über Skiptrans, die osteuropäischen Fahrer und den geplanten Zugriff auf nahezu ein Viertel der damaligen JOST-Flotte.
• TRANSPORTMEDIA – ACV erhebt 2020 erneut Vorwürfe gegen JOST
Bericht über die Vorwürfe hinsichtlich rumänischer Fahrer, deren Anreise über Maastricht und die Unterbringungsbedingungen. Enthält ebenfalls die ausdrückliche Zurückweisung der Vorwürfe durch JOST.
• JOST Group – offizielle Stellungnahme zum Abschluss wesentlicher Teile des Verfahrens
JOST erläutert darin selbst die seit 2015 laufenden Ermittlungen, den sozialrechtlichen Vergleich und die Einstellung der Vorwürfe wegen Menschenhandels, Geldwäsche und krimineller Organisation. Das Unternehmen betont ausdrücklich, dass der Vergleich kein Schuldeingeständnis darstelle.
• BRF – JOST-Verfahren endet 2022 mit Vergleich
Bericht über die Zustimmung der Lütticher Ratskammer zum Vergleich mit der Unternehmensgruppe und die Einstellung weiterer Verfahren gegen das Unternehmen.
• TRANSPORTMEDIA – Roland Jost gibt den CEO-Posten ab
Bericht vom September 2022 über seinen Rückzug aus der operativen Führung und den damaligen Stand des persönlichen Verfahrens.
• BRF – Gericht lehnt ersten persönlichen Vergleich mit Roland Jost ab
Bericht vom Oktober 2022 über die zunächst nicht akzeptierte Vereinbarung.
• BRF – 18 Monate Haft auf Bewährung und Geldstrafe für Roland Jost
Bericht vom 17. Januar 2023 über den gerichtlich akzeptierten Vergleich mit 18 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung und einer Geldstrafe von 4,8 Millionen Euro.
• TRANSPORTMEDIA – „Die Akte Jost ist geschlossen“
Chronologische Zusammenfassung des gesamten Verfahrens von 2017 bis zum endgültigen Abschluss im Januar 2023.
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