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BYD ETT44: Chinas 1.020-PS-Elektro-Lkw nimmt Europa ins Visier

18.09.2026 19:38
#1 BYD ETT44: Chinas 1.020-PS-Elektro-Lkw nimmt Europa ins Visier
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Arndt

BYD ETT44: Chinas 1.020-PS-Elektro-Lkw nimmt Europa ins Visier



Mit dem ETT44 zeigt der chinesische Hersteller BYD auf der IAA Transportation 2026 in Hannover erstmals eine schwere batterieelektrische Sattelzugmaschine, die ausdrücklich für den europäischen Fernverkehr entwickelt wurde. Das Fahrzeug ist für ein Gesamtzuggewicht von 44 Tonnen ausgelegt und soll nach gegenwärtiger Planung ab dem zweiten Quartal 2027 in Europa ausgeliefert werden.

BYD tritt damit nicht nur gegen die etablierten europäischen Hersteller an. Mit einer angekündigten Spitzenleistung von 750 kW, einer bis zu 651 kWh großen Batterie und einer Ladeleistung von maximal 1,5 Megawatt positioniert der Konzern den ETT44 auch als direkten Wettbewerber zum Tesla Semi.

Das auf den Bildern gezeigte Fahrzeug ist die sogenannte „Launch Edition“. Die besondere Lackierung, die aerodynamischen Anbauteile und die geschlossenen Seitenverkleidungen dienen daher nicht nur der Optik, sondern sollen auch den Luftwiderstand der Sattelzugmaschine reduzieren.

Zwei Batteriegrößen vorgesehen


Der BYD ETT44 soll mit zwei unterschiedlichen Batteriepaketen angeboten werden. Die kleinere Ausführung erhält eine Batterie mit 434 kWh, während die Fernverkehrsversion mit einer 651 kWh großen Batterie ausgestattet wird.

Zum Einsatz kommt BYDs sogenannte Blade Battery. Dabei handelt es sich um eine Lithium-Eisenphosphat-Batterie, kurz LFP. Diese Zellchemie kommt ohne Nickel und Kobalt aus und gilt als vergleichsweise robust, langlebig und thermisch stabil. BYD entwickelt und produziert seine Batteriezellen, Elektromotoren und einen großen Teil der Leistungselektronik selbst.

Nach den bisher veröffentlichten Herstellerangaben ergeben sich folgende Reichweiten:

• 434-kWh-Batterie: bis zu 400 Kilometer
• 651-kWh-Batterie: bis zu 600 Kilometer

Bei diesen Werten handelt es sich zunächst um angekündigte Reichweiten. Unter welchen Testbedingungen sie ermittelt wurden und wie weit der ETT44 bei 40 beziehungsweise 44 Tonnen Gesamtzuggewicht, Autobahntempo, niedrigen Temperaturen oder ungünstiger Topografie tatsächlich kommt, muss sich erst im praktischen Einsatz zeigen.

Rein rechnerisch würde eine Reichweite von 600 Kilometern bei 651 kWh Batteriekapazität einem Verbrauch von rund 108,5 kWh je 100 Kilometer entsprechen. Das wäre für einen voll ausgelasteten 44-Tonnen-Sattelzug ausgesprochen günstig. Vermutlich wurde die maximale Reichweite daher unter besonders vorteilhaften Bedingungen oder mit einer geringeren Beladung ermittelt.

Bis zu 750 kW beziehungsweise 1.020 PS


Für den elektrischen Antrieb wird eine maximale Leistung von 750 kW angegeben. Umgerechnet entspricht das rund 1.020 PS. Diese Zahl ist allerdings als Spitzenleistung zu verstehen und darf nicht mit der dauerhaft abrufbaren Dauerleistung gleichgesetzt werden.

Die enorme Spitzenleistung dürfte vor allem beim Anfahren, Beschleunigen, Einfädeln sowie auf längeren Steigungen zur Verfügung stehen. Für Transportunternehmer sind im täglichen Einsatz jedoch nicht allein die maximalen PS-Werte entscheidend. Wichtiger sind die Dauerleistung, der Energieverbrauch unter Last, die Temperaturstabilität des Antriebs und die Frage, wie lange die volle Leistung bei Bergfahrten tatsächlich verfügbar bleibt.

BYD spricht von einem einzelnen elektrischen Antrieb. Genaue Angaben zum maximalen Drehmoment, zur Getriebeabstufung und zur Dauerleistung wurden für die europäische Ausführung bislang noch nicht vollständig veröffentlicht.

Laden mit bis zu 1,5 Megawatt


Besonders bemerkenswert ist die angekündigte Ladeleistung. Der ETT44 soll sowohl über einen herkömmlichen CCS2-Anschluss als auch über das Megawatt Charging System, kurz MCS, geladen werden können.

• CCS2-Ladeleistung: bis zu 420 kW
• MCS-Ladeleistung bei der 434-kWh-Version: bis zu 950 kW
• MCS-Ladeleistung bei der 651-kWh-Version: bis zu 1.500 kW
• Ladezeit von 20 auf 80 Prozent über MCS: etwa 20 Minuten
• Ladezeit über CCS2: ungefähr eine Stunde

Bei der großen Batterie entspricht der Bereich von 20 bis 80 Prozent rund 391 kWh. Um diese Energiemenge innerhalb von 20 Minuten aufzunehmen, wäre eine durchschnittliche Ladeleistung von knapp 1,2 Megawatt erforderlich. Die von BYD angegebene Spitzenleistung von 1,5 Megawatt erscheint damit technisch nachvollziehbar.

Entscheidend ist jedoch, wann entsprechende MCS-Ladepunkte für schwere Lkw tatsächlich in ausreichender Zahl verfügbar sein werden. Eine Ladeleistung von 1,5 Megawatt stellt zudem erhebliche Anforderungen an Netzanschluss, Transformator, Lastmanagement und Kühlung. Ohne eine passende Infrastruktur bleibt die besonders kurze Ladezeit zunächst ein theoretischer Vorteil.

Abmessungen und Gewichte


Der ETT44 ist als zweiachsige 4×2-Sattelzugmaschine ausgelegt und orientiert sich bei seinen Abmessungen am europäischen Fernverkehrsmarkt.

• Länge: 6.400 mm
• Breite: 2.530 mm
• Höhe: 3.820 mm
• Radstand: 3.800 mm
• Leergewicht: je nach Batterieausführung etwa 10.950 bis 11.140 kg
• Zulässiges Gesamtgewicht der Sattelzugmaschine: 20 Tonnen
• Vorgesehenes Gesamtzuggewicht: 44 Tonnen
• Technisch mögliches Gesamtzuggewicht laut BYD: bis zu 65 Tonnen

Mit einem Leergewicht von rund elf Tonnen ist die elektrische Zugmaschine deutlich schwerer als eine vergleichbare Diesel-Sattelzugmaschine. Wie groß der verbleibende Nutzlastnachteil im konkreten Betrieb ausfällt, hängt vom eingesetzten Auflieger, der jeweiligen nationalen Gewichtsregelung und der Batterieausführung ab.

Gerade für gewichtsintensive Transporte dürfte deshalb die kleinere 434-kWh-Batterie interessant sein. Im Volumentransport oder auf planbaren Fernverkehrsrelationen könnte dagegen die 651-kWh-Ausführung mit größerer Reichweite im Vorteil sein.

Fahrerhaus für den Fernverkehr


Der ETT44 besitzt ein Hochdach-Fahrerhaus mit ebenem beziehungsweise weitgehend ebenem Innenboden und Schlafliege hinter den Sitzen. Das Cockpit ist deutlich auf den europäischen Fernverkehr zugeschnitten.

Zur bisher erkennbaren Ausstattung gehören:

• digitales Kombiinstrument
• zentraler 12,8-Zoll-Bildschirm
• Kamerasystem anstelle klassischer Außenspiegel
• zusätzliche Bildschirme für die Rückspiegelkameras
• zahlreiche Ablagen und Getränkehalter
• physische Schalter für wichtige Fahrzeugfunktionen
• Schlafliege hinter Fahrer- und Beifahrersitz
• Luftfederung
• umfangreiche Fahrerassistenzsysteme

BYD verzichtet damit nicht vollständig auf Touch-Bedienung, hält aber für häufig benötigte Funktionen weiterhin klassische Schalter bereit. Das dürfte im Arbeitsalltag eines Lkw-Fahrers durchaus von Vorteil sein.

Produktion zunächst in China


Die ersten für Europa bestimmten ETT44 sollen in China gefertigt und anschließend importiert werden. In welchem chinesischen BYD-Werk die Serienproduktion erfolgen soll, wurde bislang nicht eindeutig bekannt gegeben.

Auch eine geplante Produktionsmenge nennt der Hersteller derzeit noch nicht. Es gibt daher weder eine bestätigte Jahreskapazität noch konkrete Absatzziele für Deutschland oder Europa.

Langfristig will BYD seine Lkw jedoch auch in Europa produzieren. BYD-Vizepräsidentin Stella Li erklärte in Hannover, dass der Konzern künftig möglichst alle in Europa angebotenen Fahrzeuge auch hier fertigen möchte. Einen Standort oder einen konkreten Zeitplan für ein europäisches Lkw-Werk gibt es bislang allerdings nicht.

Das bereits entstehende BYD-Pkw-Werk im ungarischen Szeged darf deshalb nicht automatisch als künftiger Produktionsstandort des ETT44 angesehen werden.

Marktstart, Garantie und Preis


Die ersten Auslieferungen des ETT44 in Europa sind nach gegenwärtigem Stand für das zweite Quartal 2027 vorgesehen. Einen Verkaufspreis hat BYD noch nicht veröffentlicht.

Für die Batterie wird eine Garantie von zehn Jahren beziehungsweise 1,2 Millionen Kilometern angekündigt – je nachdem, welcher Wert zuerst erreicht wird. Das ist für Transportunternehmer eine durchaus wichtige Angabe, weil Lebensdauer und möglicher Kapazitätsverlust der Batterie einen erheblichen Einfluss auf Restwert und Gesamtbetriebskosten haben.

Neben dem Fahrzeug will BYD europäischen Kunden ein Gesamtpaket anbieten. Dazu sollen Finanzierung, Ladeinfrastruktur, Photovoltaik, stationäre Energiespeicher, Werkstätten und ein mobiler Pannendienst gehören. Wie dicht dieses Vertriebs- und Servicenetz zum Marktstart tatsächlich sein wird, ist derzeit noch offen.

BYD ist mehr als ein Pkw-Hersteller


BYD wurde 1995 gegründet und hat seinen Hauptsitz im chinesischen Shenzhen. Die Abkürzung steht heute für „Build Your Dreams“. Ursprünglich begann das Unternehmen als Batteriehersteller, bevor es in den Fahrzeugbau einstieg.

Inzwischen produziert BYD Elektro- und Hybrid-Pkw, Busse, Nutzfahrzeuge, Gabelstapler, Batterien, Leistungselektronik und Komponenten für Energiespeicher. Gerade diese starke vertikale Integration unterscheidet BYD von vielen klassischen Fahrzeugherstellern: Ein großer Teil der für Elektrofahrzeuge wichtigen Technik stammt aus dem eigenen Konzern.

In Europa ist BYD bereits seit vielen Jahren mit Elektrobussen, elektrischen Verteiler-Lkw, Transportern und Flurförderzeugen vertreten. Der ETT44 ist jedoch die erste schwere BYD-Sattelzugmaschine, die gezielt für den europäischen Fernverkehr angeboten werden soll.

Was ist von den Daten zu halten?


Auf dem Papier ist der BYD ETT44 ein ausgesprochen leistungsfähiger Elektro-Lkw. Vor allem die Kombination aus 651-kWh-Batterie, bis zu 600 Kilometern Reichweite und maximal 1,5 Megawatt Ladeleistung setzt eine deutliche Ansage an die europäischen Hersteller.

Trotzdem sollte man die Angaben zunächst mit der nötigen Zurückhaltung betrachten. Bislang handelt es sich überwiegend um Herstellerwerte. Noch fehlen unabhängige Verbrauchstests mit voller Beladung, belastbare Daten für den Winterbetrieb, konkrete Preise sowie Erfahrungen mit Wartung, Ersatzteilversorgung und Wiederverkaufswert.

Für einen Fuhrparkbetreiber werden letztlich folgende Fragen entscheidend sein:

• Welche Reichweite bleibt bei 40 bis 44 Tonnen unter realen Bedingungen?
• Wie hoch ist der Verbrauch bei Autobahntempo und im Winter?
• Wie schnell lädt das Fahrzeug an tatsächlich verfügbaren Ladepunkten?
• Wie viel Nutzlast geht durch das hohe Leergewicht verloren?
• Wie dicht wird das europäische Werkstatt- und Ersatzteilnetz?
• Wie hoch sind Kaufpreis, Finanzierungskosten und Restwert?
• Wie zuverlässig arbeitet der Lkw nach mehreren hunderttausend Kilometern?

Fazit


Der BYD ETT44 zeigt, mit welchem Selbstbewusstsein chinesische Hersteller inzwischen auf dem europäischen Lkw-Markt auftreten. Ein Fahrzeug mit bis zu 1.020 PS, 651-kWh-Batterie, 600 Kilometern angekündigter Reichweite und 1,5-Megawatt-Ladetechnik wäre vor wenigen Jahren noch als kaum realisierbare Studie betrachtet worden.

Jetzt steht die Sattelzugmaschine auf einer europäischen Nutzfahrzeugmesse, und der Marktstart ist bereits für 2027 angekündigt. Ob der ETT44 tatsächlich zu einer ernsthaften Alternative für europäische Transportunternehmer wird, entscheidet sich aber nicht allein an PS, Batteriekapazität und Reichweite. Entscheidend werden Preis, Verbrauch, Nutzlast, Service, Ersatzteilversorgung und Zuverlässigkeit sein.

Der technische Ansatz ist zweifellos beeindruckend. Den Beweis, dass die angekündigten Werte auch im europäischen Fernverkehr dauerhaft erreicht werden, muss der BYD ETT44 jedoch erst noch erbringen.

Technische Daten im Überblick


• Hersteller: BYD Company Limited
• Modell: ETT44
• Fahrzeugart: batterieelektrische Sattelzugmaschine
• Achsformel: 4×2
• Gesamtzuggewicht: 44 Tonnen
• Technisch möglich laut BYD: bis zu 65 Tonnen
• Spitzenleistung: bis zu 750 kW beziehungsweise rund 1.020 PS
• Batterie: BYD Blade Battery, Lithium-Eisenphosphat
• Batteriekapazität: 434 oder 651 kWh
• Reichweite laut Hersteller: bis zu 400 beziehungsweise 600 Kilometer
• CCS2-Ladeleistung: bis zu 420 kW
• MCS-Ladeleistung: bis zu 950 beziehungsweise 1.500 kW
• Ladezeit über MCS: etwa 20 Minuten von 20 auf 80 Prozent
• Leergewicht: etwa 10.950 bis 11.140 kg
• Abmessungen: 6.400 × 2.530 × 3.820 mm
• Radstand: 3.800 mm
• Geplanter Marktstart in Europa: zweites Quartal 2027
• Batteriegarantie: zehn Jahre oder 1,2 Millionen Kilometer
• Verkaufspreis: noch nicht veröffentlicht
• Produktionsmenge: noch nicht veröffentlicht
• Produktion zum Marktstart: China, konkretes Werk bislang nicht genannt

Quellen und weitere Informationen


• BYD Trucks Europe – offizielle Internetseite
• Reuters: BYD plant europäischen Marktstart und spätere Produktion in Europa
• Carscoops: Technische Vorstellung des BYD ETT44
• EqualOcean: Marktstart, Ladeleistung und Produktionsplanung

Stand: 18. September 2026. Reichweite, Ladeleistung und Ladezeiten sind Herstellerangaben beziehungsweise Angaben aus der Präsentation des Fahrzeugs. Unabhängige Praxistests liegen derzeit noch nicht vor.

Gruß vom Arndt


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24.09.2026 07:14
#2 BYD greift Daimler und MAN an: Jetzt kommen die LKW
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Arndt

Hier mal ein sehr umfangreiches Video vom "Industriemagazin"

Zitat: BYD greift nach den Autos nun den europäischen Markt für schwere Lastwagen an. Ab 2027 will der chinesische Konzern den 44-Tonnen-Elektro-LKW ETT44 in Europa verkaufen und langfristig auch hier produzieren.

Doch BYD will nicht nur einen neuen LKW anbieten. Finanzierung, Ladeinfrastruktur, Werkstätten und mobile Pannenhilfe sollen Teil eines kompletten Ökosystems werden. Damit richtet sich der Angriff direkt gegen das Geschäftsmodell etablierter Hersteller wie Daimler Truck, MAN, Scania, Volvo, DAF und Iveco.

Der Wechsel vom Diesel zum Elektroantrieb könnte den Markt stärker öffnen als frühere Technologiewechsel. Flottenbetreiber müssen Anschaffungskosten, Energieverbrauch, Ladezeiten, Wartung und Restwerte ohnehin neu kalkulieren. Genau dadurch steigt die Bereitschaft, auch einen bislang unbekannten Hersteller auszuprobieren.

Chinesische Anbieter könnten zudem mit niedrigeren Kaufpreisen, eigener Batterieproduktion und kürzeren Entwicklungszyklen punkten. Gleichzeitig fehlen ihnen in Europa bislang jene Werkstattnetze, Gebrauchtmärkte und langjährigen Flottenerfahrungen, die Daimler Truck, MAN und Co. über Jahrzehnte aufgebaut haben.

Im Beitrag geht es um BYD und den ETT44, Chinas Vormarsch bei Elektro-LKW, die Zukunft von Daimler Truck und MAN, die Bedeutung von Ladeinfrastruktur und Service sowie die Frage, ob europäische Hersteller ihre jahrzehntelang gewachsenen Wettbewerbsvorteile im Elektrozeitalter verteidigen können.

Gruß vom Arndt


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