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In 80 Ladungen um die Welt
20.09.2026 16:58 (zuletzt bearbeitet: 20.09.2026 17:00)
#1 In 80 Ladungen um die Welt
Mit dem Elektro-Lkw um die Welt: Tobias Wagner startet in Hannover
Tobias Wagner, vielen als „Elektrotrucker“ bekannt, will mit einem Mercedes-Benz eActros 600 die Welt umrunden. Der Start ist für den 20. September 2026 auf der IAA Transportation in Hannover geplant. Für die Reise veranschlagt er rund ein Jahr, etwa 45.000 Kilometer und ungefähr 30 Länder auf fünf Kontinenten. Sein Ziel: die Strecke mit höchstens 80 Ladungen zurücklegen.Welche Länder stehen auf dem Reiseplan?
Von Hannover aus soll es zunächst über Tschechien, Österreich, die Slowakei, Ungarn, Serbien und Bulgarien in die Türkei gehen. Ab Mitte Oktober sind weitere Etappen durch Zentral- und Ostasien vorgesehen: Aserbaidschan, Turkmenistan, Usbekistan, Kirgisistan, Kasachstan, China, Laos, Thailand, Malaysia und Singapur nennt Daimler Truck ausdrücklich. Danach sind Australien, die USA und mehrere Länder Lateinamerikas geplant. Die genaue Streckenführung steht noch nicht endgültig fest und kann sich unterwegs ändern.
Zwischen den Kontinenten kann der Lkw selbstverständlich nicht selbst fahren: Bei den notwendigen Seetransporten und beim Versand von Ersatzteilen unterstützt DHL die Expedition.
Ein eActros 600 als Expeditionsfahrzeug
Das Fahrzeug basiert auf einem serienmäßig produzierten eActros 600 aus dem Werk Wörth. Für die Reise erhielt es unter anderem einen Wohnaufbau, zwei Ersatzradhalterungen, Einzelbereifung und zusätzliche Scheinwerfer. Wagner nimmt außerdem eigene Ladetechnik mit: Neben dem CCS-Laden mit bis zu 400 kW soll er in besonderen Fällen auch Wechselstromanschlüsse mit bis zu 43 kW nutzen können.
Das ist ein wichtiger Unterschied zum normalen Fernverkehr. Wagner fährt mit einem eigens vorbereiteten Expeditionsfahrzeug und kann seine Route auf die verfügbaren Lademöglichkeiten abstimmen. Ein Transportunternehmer mit Fracht, festen Lade- und Entladeterminen und wirtschaftlichem Zeitdruck hat diese Freiheit meist nicht.
Was lässt sich aus der Reise lernen?
Spannend wird deshalb nicht allein, ob Wagner sein Ziel erreicht. Interessanter sind die Erfahrungen auf dem Weg: Wo findet er geeignete Ladepunkte für einen schweren Lkw? Wie zuverlässig funktionieren sie? Welche Umwege, Wartezeiten und technischen Probleme entstehen außerhalb der gut erschlossenen Strecken?
Wenn diese Erfahrungen offen dokumentiert werden, kann die Reise wertvolle Hinweise darauf geben, wo batterieelektrischer Fernverkehr bereits funktioniert und wo die Infrastruktur noch fehlt. Ein Wirtschaftlichkeitsnachweis für einen gewöhnlichen Transportauftrag ist die Weltumrundung allerdings nicht.
Wie seht Ihr das: Kann eine solche Expedition der Transportbranche praktische Erkenntnisse liefern – oder sind die Bedingungen zu weit vom Alltag eines Frachtführers entfernt?
Quelle und weitere Informationen: Daimler Truck, Pressemitteilung vom 18.09.2026

01.10.2026 19:38
#2 Elektrotrucker auf Weltreise – Woche 1: Von Hannover über Dresden, Prag und Wien in die Slowakei
Elektrotrucker auf Weltreise – Woche 1: Von Hannover über Dresden, Prag und Wien in die Slowakei
Am 20. September 2026 begann für Tobias Wagner alias „Elektrotrucker“ ein Abenteuer, das in dieser Form bislang noch niemand mit einem schweren batterieelektrischen Lkw versucht hat: Mit seinem speziell ausgerüsteten Mercedes-Benz eActros 600 „Zazu“ will er einmal um die Welt fahren. Die aktuell von Mercedes-Benz Trucks kommunizierte Planung umfasst rund 45.000 Kilometer, etwa 30 Länder auf fünf Kontinenten – und möglichst weniger als 80 vollständige Ladevorgänge.Die erste Woche führte noch durch einen Teil Europas, in dem leistungsfähige Ladeinfrastruktur grundsätzlich vorhanden ist. Trotzdem lieferte sie bereits interessante Einblicke: vom emotionalen Start auf der IAA Transportation über einen Nachtstopp bei der Spedition Hanitzsch im Raum Dresden bis zu Treffen mit Herstellern, Transportunternehmern und Fachleuten in Prag und Wien. Nach sieben Tagen war „Zazu“ bereits in der Slowakei angekommen.
20. September: Startschuss auf der IAA Transportation in Hannover
Der offizielle Start erfolgte am Sonntag, dem 20. September, auf dem Messestand von Mercedes-Benz Trucks in Hannover. Tobias Wagner verließ die IAA Transportation mit seinem Expeditions-eActros direkt vom Messegelände aus und machte sich auf den Weg Richtung Osten.
Wagner selbst beschrieb die Abfahrt später als einen der emotionalsten Momente der gesamten IAA. Zahlreiche Besucher verabschiedeten ihn, außerhalb der Messehallen standen Mercedes-Benz Lkw Spalier. Aus einer monatelangen Vorbereitung wurde damit endgültig eine reale Reise.
Der Anspruch ist hoch. Wagner bezeichnet das Projekt selbst als Weltrekordversuch und möchte vor allem zeigen, was batterieelektrische schwere Nutzfahrzeuge außerhalb klassischer Teststrecken tatsächlich leisten können. Es geht also nicht nur darum, 45.000 Kilometer zu fahren, sondern auch darum, Ladeinfrastruktur, Reichweite, Zuverlässigkeit und praktische Probleme unter vollkommen unterschiedlichen Bedingungen zu dokumentieren.
Mercedes-Benz Trucks formuliert das Ziel etwas nüchterner: Die Reise soll die Leistungsfähigkeit batterieelektrischer Fernverkehrstechnik unter unterschiedlichen geografischen, klimatischen und infrastrukturellen Bedingungen zeigen und gleichzeitig sichtbar machen, wo beim Aufbau der Ladeinfrastruktur noch Handlungsbedarf besteht.
Daimler Truck: Start der Weltreise mit dem eActros 600
Tobias Wagner über den Start auf der IAA Transportation
Erster dokumentierter Nachtstopp: Spedition Hanitzsch bei Dresden
Eine der ersten Stationen nach Hannover führte Tobias Wagner in unsere Region. Für eine nächtliche Pause stellte er den eActros 600 auf dem Gelände der Hanitzsch GmbH & Co. KG im Raum Dresden/Kesselsdorf ab.
Der Stopp war keineswegs zufällig gewählt. Hanitzsch gehört seit mehreren Jahren zum Netzwerk von KRAVAG Truck Parking. Fahrer können dort einen Stellplatz vorab reservieren und erhalten anschließend digital Zugang zum gesicherten Betriebsgelände.
Genau dieses System nutzte Wagner. Das Hoftor wurde per App geöffnet, der Stellplatz war bereits reserviert und „Zazu“ konnte für die Nacht auf einem gesicherten Firmengelände stehen. Wagner nutzte die Gelegenheit sogar noch für eine Laufrunde und konnte den Lkw dabei auf dem abgeschlossenen Gelände zurücklassen.
Bemerkenswert: Laden musste er bei Hanitzsch noch nicht. Nach Angaben von KRAVAG verfügte der eActros nach der bisherigen Strecke noch über ausreichend Energie. Damit wurde Hanitzsch in dieser Nacht zwar zum Parkplatz, aber noch nicht zur Ladestation für den Elektrotrucker.
Der Besuch ist trotzdem aus einem anderen Grund interessant. Die Spedition verfügt bereits über eigene Tank- und Werkstattinfrastruktur, und gleichzeitig wird der Standort an „KRAVAG Truck Charging“ angebunden. Künftig sollen solche betrieblichen Ladepunkte nicht ausschließlich dem eigenen Fuhrpark vorbehalten bleiben, sondern auch anderen Transportunternehmen zur Verfügung gestellt werden können.
Gerade für den elektrischen Fernverkehr könnte dieses Konzept eine wichtige Ergänzung zu öffentlichen Lkw-Ladeparks werden: Ein Fahrer bucht einen sicheren Stellplatz und kann während seiner Ruhezeit gleichzeitig laden. Der Stopp des Elektrotruckers bei Hanitzsch war damit fast ein kleines Beispiel dafür, wie Parken und Laden künftig miteinander verbunden werden könnten.
KRAVAG Truck Parking: Besuch des Elektrotruckers bei Hanitzsch
KRAVAG: Rückblick auf den Hanitzsch-Stopp und die erste Reisewoche
Weiter nach Prag – erster internationaler Fachtermin
Von Sachsen ging es weiter nach Tschechien. In Prag machte Wagner unter anderem Station bei Daimler Truck Česká republika. Dort traf er Vertreter des Unternehmens und tschechische Fachjournalisten, die sich den ungewöhnlichen eActros genauer ansehen konnten.
Das tschechische Elektromobilitätsportal fDrive widmete dem Besuch einen ausführlichen Bericht. Interessant daran ist, dass dort nicht nur die Weltreise beschrieben wird, sondern auch verschiedene Details des Expeditionsfahrzeugs.
Wagner bringt für das Projekt bereits umfangreiche Praxiserfahrung mit. Nach Angaben von fDrive hat er innerhalb von rund zwei Jahren etwa 200.000 Kilometer mit elektrischen Lkw zurückgelegt. Elektromobilität im schweren Fernverkehr ist für ihn damit kein theoretisches Experiment, die Dimension dieser Weltreise allerdings schon.
fDrive.cz: Treffen mit Tobias Wagner in Prag
„Zazu“ ist kein gewöhnlicher eActros 600
Technische Basis des Expeditionsfahrzeugs ist ein serienmäßig produzierter eActros 600 aus dem Mercedes-Benz Werk Wörth. Verwendet wurde allerdings keine klassische Sattelzugmaschine, sondern ein 4x2-Fahrgestell, auf dem der Expeditionsaufbau aufgebaut wurde.
Das Fahrzeug verfügt wie der Serien-eActros über drei LFP-Batteriepakete mit jeweils 207 kWh. Insgesamt stehen damit 621 kWh installierte Batteriekapazität zur Verfügung. Die elektrische Antriebsachse arbeitet mit zwei Elektromotoren, 400 kW Dauerleistung und bis zu 600 kW Spitzenleistung.
Beim normalen eActros 600 nennt Mercedes-Benz unter praxisnahen Bedingungen mit 40 Tonnen Gesamtzuggewicht rund 500 Kilometer Reichweite ohne Zwischenladen. In besonders verbrauchsgünstiger Konfiguration sind laut Hersteller bis zu etwa 560 Kilometer möglich.
Diese Werte lassen sich allerdings nicht eins zu eins auf „Zazu“ übertragen. Das Expeditionsfahrzeug ist wesentlich leichter als ein ausgelasteter 40-Tonnen-Sattelzug, besitzt aber gleichzeitig einen großen Wohnaufbau, andere Bereifung und zusätzliche Ausrüstung. Gerade deshalb dürften die tatsächlichen Verbrauchs- und Reichweitenwerte im weiteren Verlauf der Reise interessant werden.
Eine eigene Ladestation fährt mit
Wagner verlässt sich auf der Weltreise nicht ausschließlich auf öffentliche CCS-Schnelllader. Hinter dem Fahrerhaus beziehungsweise am Fahrzeug befindet sich zusätzliche Ladetechnik von Alpitronic.
Damit kann der Lkw in besonderen Situationen auch dort Energie aufnehmen, wo keine geeignete öffentliche DC-Ladesäule zur Verfügung steht. Mercedes-Benz nennt dafür Wechselstromanschlüsse mit bis zu 43 kW.
In Deutschland, Österreich oder Tschechien wird diese Notlösung wahrscheinlich nur selten benötigt. Spätestens in Zentralasien dürfte sie jedoch zu einem der wichtigsten Ausrüstungsgegenstände der gesamten Reise werden.
Denn irgendwann lautet die Frage nicht mehr: „Wo steht der nächste 400-kW-Schnelllader?“ Dann könnte die Frage lauten: „Wo bekommen wir überhaupt einen ausreichend leistungsfähigen Stromanschluss?“
Ein elektrisches Motorrad als „Ladesäulen-Späher“
Eine besonders clevere Lösung befindet sich ebenfalls an Bord: Wagner führt ein elektrisches Honda-Motorrad mit. Dabei geht es nicht nur darum, während längerer Aufenthalte mobil zu sein.
Das Motorrad kann genutzt werden, um Ladepunkte vorab zu erkunden. Gerade außerhalb Europas ist bei einer eingezeichneten Ladestation keineswegs garantiert, dass ein rund 2,50 Meter breiter und mehrere Meter hoher Expeditions-Lkw überhaupt bis an die Säule herankommt.
Wagner kann den Lkw deshalb zunächst außerhalb abstellen, mit der Honda zum Ladepunkt fahren und prüfen, wie die Zufahrt aussieht. Nach dem Bericht von fDrive kann er dabei auch testen, ob die Ladeeinrichtung tatsächlich funktioniert.
Das klingt zunächst nach einem kleinen Detail, könnte sich im weiteren Verlauf aber als enorm wichtig erweisen. Ein Pkw kann an einer ungeeigneten Ladestation relativ problemlos wenden – mit einem großen Lkw kann eine zu enge Zufahrt schnell zur Sackgasse werden.
25. September: Großer Empfang in Wien
Nach Prag führte die Reise weiter nach Österreich. Am 25. September erreichte Tobias Wagner Wien. Dort wurde aus dem reinen Reisestopp ein größerer Branchentermin.
Daimler Truck Austria hatte zum Schloss Miller-Aichholz im Westen Wiens eingeladen. Empfangen wurde Wagner unter anderem vom neuen Geschäftsführer von Daimler Truck Austria, Bernhard Rusch.
Zu den Gästen gehörten außerdem Pappas-Chef Rudi Radlherr und Andreas Hosinger. Auch die Transportunternehmer Hubert und Regina Schlager sowie Bernhard Wilfinger von Welog waren vor Ort.
Bemerkenswert war zudem die Teilnahme von Hans-Jürgen Salmhofer, Leiter der Abteilung Mobilitätswende im österreichischen Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur. Damit wurde aus einem Zwischenstopp gleichzeitig eine Gesprächsrunde über batterieelektrischen Straßengüterverkehr und die dafür notwendige Infrastruktur.
Das ist eine Seite dieser Weltreise, die man nicht unterschätzen sollte. Wagner fährt nicht einfach nur möglichst schnell um den Globus. Entlang der Route entstehen Treffen mit Fahrern, Unternehmen, Herstellern, Infrastrukturbetreibern und politischen beziehungsweise administrativen Fachleuten.
Genau dadurch kann die Reise möglicherweise mehr Erkenntnisse liefern als eine reine Rekordfahrt. Denn die entscheidende Frage beim Elektro-Lkw lautet längst nicht mehr ausschließlich, wie groß die Batterie ist. Entscheidend wird zunehmend, ob Fahrzeuge unterwegs zuverlässig, planbar und ohne große Umwege geladen werden können.
DerTransporteur: Empfang für Tobias Wagner in Wien
Daimler Truck Austria: Elektrotrucker in Wien
Von Wien weiter in die Slowakei
Nach dem Wiener Termin ging es weiter nach Osten. Die öffentlich dokumentierte Route führte über den Raum Bratislava beziehungsweise Senec in der Slowakei.
Damit hatte Wagner innerhalb der ersten sieben Tage vier Länder erreicht: Deutschland, Tschechien, Österreich und die Slowakei. Passend dazu trägt sein erster großer Video-Rückblick zur Weltreise den Titel „4 Länder, 7 Tage, 1 % Akku“.
Bei einzelnen Standortangaben ist allerdings Vorsicht angebracht. Wagner veröffentlicht seine Position bewusst nicht ständig live. Insbesondere detaillierte Standortinformationen werden teilweise erst später freigegeben, damit aus den Veröffentlichungen nicht jederzeit der exakte Standort seines Fahrzeugs abgeleitet werden kann.
Für unsere Wochenberichte bedeutet das deshalb: Wir werden jeweils den letzten öffentlich belegbaren Standort nennen – aber keinen Standort aus zeitlichen Abständen oder aus der geplanten Route „hochrechnen“.
Zwischenfazit nach der ersten Woche
Die ersten sieben Tage waren noch keine wirkliche Bewährungsprobe für die weltweite Ladeinfrastruktur. Deutschland, Tschechien und Österreich verfügen über vergleichsweise gute Stromnetze und ein wachsendes Netz leistungsfähiger Schnellladepunkte. Auch die Slowakei ist mit der Situation in Zentralasien nicht vergleichbar.
Trotzdem zeigt die erste Woche bereits mehrere Themen, die für den gewerblichen Einsatz von Elektro-Lkw entscheidend sind. Reichweite allein reicht nicht. Ein Fernverkehrs-Lkw benötigt erreichbare Ladeplätze, ausreichend Platz zum Rangieren, sichere Abstellmöglichkeiten und eine Ladeplanung, die zu Lenk- und Ruhezeiten passt.
Der Hanitzsch-Stopp bei Dresden ist dafür beinahe sinnbildlich. Wagner musste dort zwar nicht laden, konnte aber einen reservierten und gesicherten Lkw-Stellplatz nutzen. Wenn solche Standorte künftig zusätzlich mit leistungsfähiger Ladeinfrastruktur ausgestattet werden, verbindet man zwei der größten Probleme des heutigen Fernverkehrs: fehlende Lkw-Parkplätze und fehlende Lkw-Ladepunkte.
Der wirkliche Härtetest kommt erst noch
Nach Deutschland, Tschechien, Österreich und der Slowakei führt die geplante Route weiter über Ungarn, Serbien und Bulgarien in die Türkei. Danach wird die Infrastruktur zunehmend spannender.
Geplant sind anschließend unter anderem Aserbaidschan, Turkmenistan, Usbekistan, Kirgisistan, Kasachstan und China. Später soll es über Südostasien nach Australien und anschließend weiter nach Nord- und Südamerika gehen.
Für die notwendigen Transporte über die Ozeane unterstützt DHL das Projekt als Logistikpartner. Das Fahrzeug soll unter anderem von Südostasien nach Australien, von Australien nach Nordamerika und später von Südamerika zurück nach Europa verschifft werden. DHL Express soll außerdem bei Bedarf Ersatzteile und technisches Material entlang der Route transportieren.
Genau auf diesen Abschnitten wird sich zeigen, welchen Wert die zusätzliche Ladetechnik tatsächlich hat. Eine CCS-Säule mit mehreren hundert Kilowatt an einer europäischen Autobahn ist eine Sache. Einen mehr als 600-kWh-Lkw irgendwo in Zentralasien mit vorhandener Infrastruktur wieder fahrbereit zu bekommen, dürfte eine völlig andere Herausforderung werden.
DHL Group: Logistikpartner der Elektrotrucker-Weltreise
Stand nach Redaktionsschluss: Budapest erreicht
Nach dem eigentlichen Ende der ersten Reisewoche ging es weiter nach Ungarn. Am 30. September tauchten öffentlich Bilder von Tobias Wagner in Budapest auf. Damit ist Budapest der nächste belegbare Zwischenstand nach der Slowakei.
Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass Veröffentlichungen und Tracking nicht zwingend den tatsächlichen Live-Standort zeigen. In der begleitenden Community wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass einzelne Positionen mit ein bis drei Tagen Verzögerung erscheinen können.
Wo sich „Zazu“ in genau diesem Augenblick befindet, lässt sich deshalb seriös nicht sagen. Für unsere Berichte halten wir uns künftig an die letzte öffentlich bestätigte Station und verzichten auf Spekulationen.
GoingElectric: Dokumentation der Weiterfahrt nach Budapest und Hinweis auf verzögerte Standortmeldungen
Unsere Route der ersten Etappe
20. September 2026: Hannover – offizieller Start auf der IAA Transportation
erste Etappe: Raum Dresden/Kesselsdorf – Nachtstopp bei der Spedition Hanitzsch
anschließend: Prag – Termin bei Daimler Truck Česká republika und Treffen mit Fachmedien
25. September 2026: Wien – Empfang bei Daimler Truck Austria und Austausch mit Vertretern der Transportwirtschaft
Ende der ersten Woche: Slowakei – Raum Bratislava/Senec
nach Redaktionsschluss: Budapest – am 30. September öffentlich dokumentiert
Was wir in den kommenden Wochen beobachten werden
Für uns wird weniger entscheidend sein, ob der eActros 600 auf einer einzelnen Etappe besonders weit kommt. Interessanter ist, ob die gesamte Reise ohne größere technische Probleme funktioniert und welche Lösungen Wagner findet, wenn die gewohnte europäische Ladeinfrastruktur endet.
Deshalb werden wir in den kommenden Wochen besonders auf tatsächliche Fahrstrecken, Verbrauch und Reichweite, Zahl und Art der Ladevorgänge, Ladeleistung, Probleme bei der Zufahrt zu Ladepunkten, technische Schwierigkeiten sowie auf die besuchten Transportunternehmen und Gesprächspartner achten.
Auch ungeplante Zwischenstopps dürften interessant werden. Gerade sie können zeigen, wie alltagstauglich ein Elektro-Lkw dort ist, wo Reise und Ladeinfrastruktur nicht nach einem europäischen Idealplan funktionieren.
Die Weltreise direkt verfolgen
Offizielle Elektrotrucker-Seite – „In 80 Ladesäulen um die Welt“
Mercedes-Benz Trucks RoadStars – Weltreise des Elektrotruckers
Daimler Truck – offizielle Informationen zur Expedition
YouTube-Kanal Elektrotrucker
Fazit
Die erste Woche war der vergleichsweise einfache Teil einer äußerst ungewöhnlichen Reise – und trotzdem bereits ausgesprochen interessant. Hannover, die Spedition Hanitzsch bei Dresden, Prag, Wien und schließlich die Slowakei zeigen, dass die Weltreise weit mehr wird als eine reine Reichweitenfahrt.
Noch bewegt sich Tobias Wagner in einer Region, die für Elektrofahrzeuge vergleichsweise komfortable Bedingungen bietet. Die wirklichen Prüfungen liegen vor ihm: Südosteuropa, die Türkei, Zentralasien und schließlich Regionen, in denen leistungsfähige Lkw-Ladeinfrastruktur kaum oder überhaupt nicht vorhanden ist.
Genau deshalb werden wir die Reise weiter begleiten. Woche für Woche schauen wir: Wo war der Elektrotrucker? Wo wurde geladen? Welche Unternehmen und Menschen hat er besucht? Welche Probleme gab es – und welche Lösungen hat er gefunden?
Die erste Woche ist geschafft. Die eigentliche Weltreise beginnt jetzt erst richtig.
05.10.2026 08:03
#3 Elektrotrucker auf Weltreise – Woche 2: Über Budapest bis zum zweiten Ladestopp in Serbien
Elektrotrucker auf Weltreise – Woche 2: Über Budapest bis zum zweiten Ladestopp in Serbien
Die zweite Woche der Weltreise von Tobias Wagner alias „Elektrotrucker“ brachte eine Zahl, die für sein Projekt besonders interessant ist: Erst tief in Serbien musste „Zazu“, der speziell aufgebaute Mercedes-Benz eActros 600, zum zweiten Mal auf der Weltreise geladen werden. Zwischen dem ersten Ladestopp bei Wien und dem zweiten Ladestopp im serbischen Ćićevac lagen nach den öffentlich nachvollziehbaren Daten rund 900 Kilometer.Damit führte die Reise in dieser Woche aus dem Raum Wien und Bratislava zunächst weiter nach Ungarn und anschließend nach Serbien. Gleichzeitig zeigt sich immer deutlicher, dass diese Weltumrundung keine möglichst direkte Rekordfahrt von A nach B werden soll. Tobias Wagner nimmt bewusst Umwege, besucht Orte und fährt nach eigenen Angaben möglichst nicht ausschließlich Autobahn.
Zum Wochenbeginn: Der erste Ladestopp lag hinter ihm
Zum Beginn unserer zweiten Beobachtungswoche hatte der eActros seinen ersten großen Ladehalt gerade hinter sich. Von Hannover war Wagner über Dresden/Kesselsdorf, Prag und Wien gefahren, ohne vorher nachladen zu müssen. In Wien war „Zazu“ mit nur noch wenigen Prozent Batterieladung angekommen.
Für ein Fahrzeug mit drei LFP-Batteriepaketen und insgesamt rund 621 kWh installierter Kapazität war bereits diese erste Etappe bemerkenswert. Der serienmäßige eActros 600 wird von Mercedes-Benz bei 40 Tonnen Gesamtzuggewicht mit rund 500 Kilometern Reichweite angegeben. Wagners Expeditionsfahrzeug ist allerdings erheblich leichter als ein ausgelasteter Sattelzug, weshalb deutlich größere Reichweiten möglich sind.
Beim ersten Ladevorgang in Österreich wurde in der begleitenden Community eine maximale Ladeleistung von rund 158 kW dokumentiert. Das ist deutlich weniger als die bis zu 400 kW, die der eActros 600 über CCS technisch aufnehmen kann. Für Wagner spielte die reine Ladegeschwindigkeit an dieser Stelle jedoch eine untergeordnete Rolle: Entscheidend war, dass der Akku für die nächste sehr lange Etappe wieder gefüllt werden konnte.
GoingElectric – Diskussion und Daten zum ersten Ladestopp
Mercedes-Benz Trucks – technische Daten und Laden des eActros
Über die Slowakei weiter nach Ungarn
Vom Raum Wien führte die Route zunächst über die Slowakei. Senec östlich von Bratislava war dabei einer der öffentlich nachvollziehbaren Zwischenstände. Schon hier wurde deutlich, warum wir bei der Weltreise mit Standortangaben vorsichtig umgehen müssen.
Tobias Wagner möchte aus nachvollziehbaren Gründen nicht live bis auf den Stellplatz verfolgt werden. Die Einträge bei Polarsteps werden deshalb teilweise erst mit ein bis drei Tagen Verzögerung freigegeben. Andere Bilder oder Beiträge erscheinen mitunter früher auf Instagram oder anderen Kanälen.
Für unsere Wochenberichte gilt deshalb weiterhin eine klare Regel: Wir nennen nur Orte, die öffentlich nachvollziehbar dokumentiert wurden. Aus der geplanten Route berechnen wir keinen vermeintlichen aktuellen Standort.
30. September: „Zazu“ erreicht Budapest
Am 30. September wurde Budapest als nächste Station öffentlich sichtbar. Damit hatte der Elektrotrucker nach Deutschland, Tschechien, Österreich und der Slowakei inzwischen Ungarn erreicht.
Auf Polarsteps hing die veröffentlichte Strecke zu diesem Zeitpunkt noch hinterher und zeigte teilweise noch den Raum Senec. Genau dieses Beispiel zeigt, weshalb es keinen Sinn ergibt, bei dieser Reise von einem echten Live-Tracking zu sprechen.
Budapest ist trotzdem eine interessante Wegmarke. Von Hannover aus hatte der eActros nun einen erheblichen Teil Südosteuropas zurückgelegt – und zu diesem Zeitpunkt war auf der gesamten Weltreise erst ein einziger eigentlicher Ladehalt erfolgt.
GoingElectric – Budapest und Erklärung zur zeitversetzten Veröffentlichung
Weiter Richtung Serbien – die Reise verändert ihren Charakter
Hinter Ungarn begann ein neuer Abschnitt der Reise. Mit Serbien verließ Wagner die Europäische Union und näherte sich Regionen, in denen Ladeinfrastruktur, Zahlungswege und Zugänglichkeit von Schnellladern zunehmend interessanter werden.
Noch ist Serbien allerdings keineswegs elektrisches Niemandsland. Das Land verfügt inzwischen über zahlreiche CCS-Ladepunkte, darunter auch leistungsfähigere Schnellladestationen. Für einen großen Expeditions-Lkw bleibt jedoch die entscheidende Frage, ob eine Ladesäule nicht nur technisch vorhanden, sondern auch mit einem Fahrzeug dieser Größe erreichbar ist.
Genau diese Unterscheidung dürfte uns während der gesamten Weltreise begleiten. Ein Ladepunkt auf einer Karte ist für einen Pkw relativ eindeutig. Für einen schweren Lkw zählen zusätzlich Zufahrt, Höhe, Wendefläche, Kabellänge, belegte Pkw-Stellplätze und die Möglichkeit, anschließend wieder herauszukommen.
Der zweite Ladestopp: erst nach weiteren rund 900 Kilometern
Am 3. Oktober wurde schließlich der zweite Ladestopp der Reise öffentlich dokumentiert. Er lag im serbischen Ćićevac, südöstlich von Belgrad und bereits deutlich auf dem Weg in Richtung Bulgarien.
Bei der zurückgelegten Strecke gibt es eine kleine Abweichung zwischen den öffentlich diskutierten Angaben. Eine Veröffentlichung nennt rund 922 Kilometer seit dem vorherigen Laden. Eine detaillierte Rekonstruktion der Route kommt auf etwa 911 Kilometer von Wien bis Ćićevac.
Für unsere Betrachtung ist dieser Unterschied nebensächlich. Entscheidend ist: Der eActros hat auch auf dieser Etappe erneut ungefähr 900 Kilometer zwischen zwei großen Ladevorgängen zurückgelegt.
Das ist für einen elektrischen Lkw eine beeindruckende Zahl – allerdings darf man sie nicht unkritisch mit einem 40-Tonnen-Fernverkehrszug vergleichen. „Zazu“ ist ein Expeditionsfahrzeug ohne schweren Auflieger und damit wesentlich leichter. Auf der anderen Seite trägt der Lkw einen großen Wohnaufbau, Ersatzräder, Ladetechnik, Motorrad und umfangreiche Expeditionsausrüstung.
GoingElectric – zweiter Ladestopp und Streckenrekonstruktion
Rund 1.800 Kilometer – nur zweimal geladen
Besonders interessant wird es, wenn man beide großen Etappen zusammen betrachtet. Nach der Rekonstruktion aus den veröffentlichten Reisedaten wurden vom Start in Hannover bis zum ersten Ladestopp bei Wien ungefähr 900 Kilometer gefahren. Bis zum zweiten Ladestopp in Ćićevac kamen weitere rund 911 bis 922 Kilometer hinzu.
Damit lag die gefahrene Strecke nach zwei Ladeabschnitten bereits bei ungefähr 1.800 Kilometern. Das erklärt, warum die ursprüngliche Idee „In 80 Ladesäulen um die Welt“ zumindest in Europa bislang keineswegs unrealistisch erscheint.
Allerdings wäre es falsch, die bisherigen 900-Kilometer-Etappen einfach auf die gesamte Weltreise hochzurechnen. Später kann Wagner nicht überall bis auf wenige Prozent Restladung herunterfahren. Wer in Zentralasien möglicherweise Hunderte Kilometer vom nächsten geeigneten Stromanschluss entfernt ist, muss erheblich größere Sicherheitsreserven einplanen.
Die kürzeste Strecke ist ausdrücklich nicht das Ziel
Bei der Betrachtung der Kilometer fällt noch etwas auf: Wagner fährt nicht immer die kürzeste Autobahnverbindung. Aus den öffentlich nachvollziehbaren Strecken ergibt sich bereits ein merklicher Unterschied zwischen der theoretisch kürzesten Verbindung und den tatsächlich gefahrenen Kilometern.
Ein Teil davon entsteht durch Termine und Zwischenziele. Hinzu kommt, dass Wagner in einem aktuellen Beitrag beziehungsweise Reel darauf hingewiesen hat, Autobahnen soweit möglich vermeiden zu wollen.
Das macht für eine solche Reise durchaus Sinn. Eine Weltumrundung ausschließlich auf Autobahnen würde zwar Kilometer und Energie sparen, aber kaum zeigen, wie das Fahrzeug außerhalb perfekt ausgebauter europäischer Hauptverkehrsachsen funktioniert.
Für die Zahl der Ladestopps hat diese Entscheidung natürlich Konsequenzen. Jeder Umweg kostet Reichweite. Das Ziel „unter 80 Ladungen“ wird deshalb mit zunehmender Reisedauer interessanter und nicht einfacher.
„80 Ladestopps“ bedeutet nicht automatisch 80 öffentliche Schnellladesäulen
Ein wichtiger Punkt wird in Diskussionen über die Reise immer wieder übersehen: Wagner ist nicht darauf angewiesen, überall einen klassischen öffentlichen HPC-Lader zu finden.
„Zazu“ besitzt zusätzlich eine mobile DC-Ladeeinrichtung von Alpitronic. Wo keine öffentliche CCS-Schnellladestation vorhanden ist, kann das Fahrzeug unter bestimmten Bedingungen auch aus einer geeigneten Wechselstromversorgung mit bis zu 43 kW geladen werden.
43 kW klingen im Vergleich zu einem 300- oder 400-kW-HPC zunächst bescheiden. Bei einer Batterie mit mehr als 600 kWh würde eine vollständige Ladung entsprechend viele Stunden dauern.
Auf einer Weltreise kann genau das trotzdem entscheidend sein. Wenn der Lkw über Nacht zwölf Stunden an einem leistungsfähigen Drehstromanschluss steht, können theoretisch mehrere hundert Kilowattstunden nachgeladen werden. In einer Region ohne öffentliche Schnellladeinfrastruktur ist Zeit plötzlich weniger wichtig als die Tatsache, überhaupt Energie in den Akku zu bekommen.
Daimler Truck – Fahrzeug, Ladetechnik und geplante Weltreise
Wo ist der Elektrotrucker jetzt?
Der letzte für unseren Wochenbericht belastbar nachvollziehbare Zwischenstand ist der zweite Ladestopp in Ćićevac in Serbien. Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass Tobias Wagner am Montagmorgen noch dort steht.
Seine Standortmeldungen werden absichtlich verzögert veröffentlicht. Es ist daher sehr gut möglich, dass „Zazu“ inzwischen bereits weiter Richtung Bulgarien unterwegs ist oder eine weitere Etappe erreicht hat.
Wir verzichten bewusst darauf, daraus einen vermeintlichen Live-Standort abzuleiten. Sobald Wagner den nächsten Standort selbst freigibt beziehungsweise dieser durch eine belastbare Quelle bestätigt wird, gehört er in den nächsten Wochenbericht.
Unternehmensbesuche: Diese Woche stand die Strecke im Vordergrund
Die erste Woche war geprägt von mehreren offiziellen Terminen: Hanitzsch bei Dresden, Daimler Truck in Prag und der große Empfang bei Daimler Truck Austria in Wien.
Für die zweite Woche sind nach unserem derzeitigen Recherchestand dagegen keine weiteren Unternehmensbesuche in vergleichbarer Qualität öffentlich und zweifelsfrei dokumentiert. Deshalb erfinden oder übernehmen wir hier keine vermeintlichen Termine aus unbestätigten Social-Media-Schnipseln.
Sobald ein Besuch bei einer Spedition, einem Hersteller, Ladeanbieter oder Verband belastbar veröffentlicht wird, werden wir ihn selbstverständlich mit Namen und Quelle aufnehmen.
Heute Morgen: neues Video zum zweiten Ladestopp
Passend zu unserem Wochenbericht hat Tobias Wagner am Montagmorgen bereits die nächste Folge seiner Weltreise veröffentlicht. Der Titel spricht für sich: „2. Ladestopp der Weltreise in Serbien. WER plant sowas!? (Ich)“.
Damit beginnt praktisch bereits die Dokumentation der kommenden Woche. Interessant dürfte vor allem sein, welche Ladebedingungen er in Serbien vorgefunden hat und wie sich die Fahrt anschließend Richtung Bulgarien entwickelt.
Die Woche in Zahlen
Zeitraum: 28. September bis 4. Oktober 2026
Öffentlich dokumentierte Länder dieser Woche: Slowakei, Ungarn, Serbien
wichtige Stationen: Raum Bratislava/Senec – Budapest – Ćićevac
Ladevorgänge seit Beginn der Weltreise: 2
erster großer Ladehalt: Raum Wien
zweiter großer Ladehalt: Ćićevac, Serbien
Strecke zwischen erstem und zweitem Ladestopp: öffentlich nachvollziehbar etwa 911 bis 922 Kilometer
Gesamtstrecke der ersten beiden großen Batterieetappen: ungefähr 1.800 Kilometer
letzter öffentlich belastbarer Standort: Ćićevac in Serbien – ausdrücklich kein Live-Standort
Was kommt als Nächstes?
Die offizielle Route führt von Serbien weiter durch Bulgarien in die Türkei. Spätestens dort beginnt der Übergang von der noch relativ vertrauten europäischen Ladeinfrastruktur zu den deutlich anspruchsvolleren Abschnitten der Expedition.
Danach sind Georgien, Aserbaidschan und die zentralasiatischen Staaten vorgesehen. Mercedes-Benz Trucks nennt unter anderem Turkmenistan, Usbekistan, Kirgisistan und Kasachstan, bevor es weiter nach China geht.
Gerade diese Etappen werden für unser Forum erheblich interessanter als die Frage, ob der eActros in Europa 850 oder 920 Kilometer mit einer Ladung schafft. Entscheidend wird sein, was passiert, wenn kein geeigneter HPC-Ladepark mehr in Reichweite liegt.
Daimler Truck – offizielle Route der Expedition
Mercedes-Benz RoadStars – Reise des Elektrotruckers
Fazit nach Woche 2
Die zweite Reisewoche liefert erstmals eine Zahl, an der sich das Projekt messen lassen kann: ungefähr 900 Kilometer zwischen zwei Ladestopps. Für ein batterieelektrisches schweres Fahrzeug ist das bemerkenswert – auch wenn „Zazu“ natürlich nicht mit einem voll ausgelasteten 40-Tonnen-Sattelzug gleichgesetzt werden darf.
Noch interessanter ist jedoch, dass die Reise bislang ohne hektisches „Ladesäulen-Hopping“ auskommt. Nach rund 1.800 gefahrenen Kilometern standen erst zwei große Ladehalte zu Buche.
Ob dieses Verhältnis bestehen bleibt, wird sich sehr bald zeigen. Bulgarien und die Türkei sind noch vergleichsweise gut erschlossen – anschließend kommen Regionen, in denen nicht mehr die maximale Ladeleistung entscheidend sein dürfte, sondern die viel grundsätzlichere Frage:
Wo bekommt ein 600-kWh-Elektro-Lkw überhaupt zuverlässig Strom her?
Genau dort beginnt der wirklich spannende Teil dieser Weltreise.
12.10.2026 16:02
#4 Elektrotrucker auf Weltreise – Woche 3: Durch Serbien nach Bulgarien – und die große Herausforderung Asien rückt näher
Elektrotrucker auf Weltreise – Woche 3: Durch Serbien nach Bulgarien – und die große Herausforderung Asien rückt näher
Die dritte Woche der Weltreise von Tobias Wagner alias „Elektrotrucker“ führte seinen Mercedes-Benz eActros 600 weiter durch Südosteuropa. Nach dem zweiten Ladestopp in Serbien ging es über die bulgarische Hauptstadt Sofia nach Plowdiw. Dort erwartete ihn am 6. Oktober ein offizieller Termin beim Mercedes-Benz-Vertriebspartner Silver Star, bei dem er mit Vertretern der Transportwirtschaft und Journalisten über seine ungewöhnliche Expedition sprach.Besonders interessant sind diesmal weniger die gefahrenen Kilometer als die Einblicke in das Fahrzeug und seine Reiseplanung. Wagner berichtete ausführlich über Verbrauch, Ladeinfrastruktur, die Ausstattung seines Expeditions-Lkw und darüber, wie er sich auf Länder vorbereitet, in denen öffentliche Schnellladesäulen praktisch unbekannt sind.
Die wichtigste Erkenntnis vorweg: Bis zum Besuch in Plowdiw war der eActros mit nur zwei großen Ladestopps unterwegs. Und während in Europa die Reichweite bisher kaum Schwierigkeiten bereitete, macht Wagner sich bereits Gedanken darüber, wie er seinen Lkw später in Turkmenistan wieder aufladen soll.
Ausgangspunkt der Woche: Serbien und der zweite Ladestopp
Unsere letzte Reisewoche endete mit dem zweiten dokumentierten Ladestopp im serbischen Ćićevac. Von Wien aus hatte Wagner bis dorthin nach seinen Angaben weitere 911 Kilometer zurückgelegt. Der Akku zeigte bei Ankunft noch etwa fünf Prozent Ladezustand an.
Inzwischen liegen auch genauere Informationen über diesen Ladevorgang vor. Der eActros wurde an einer öffentlich zugänglichen DC-Ladestation an einer serbischen Mautstation geladen. Zunächst standen rund 119 kW Ladeleistung zur Verfügung, später musste sich Wagner die verfügbare Leistung mit weiteren Fahrzeugen teilen.
Nach der Auswertung in der begleitenden Elektrofahrzeug-Community wurden insgesamt rund 617 kWh innerhalb von ungefähr sieben Stunden geladen. Zeitweise sank die Ladeleistung auf etwa 60 kW, weil andere Fahrzeuge gleichzeitig den zweiten Ladeanschluss nutzten. Bemerkenswert ist außerdem, dass der Ladevorgang nach den dort wiedergegebenen Angaben kostenlos war.
Diese Zahlen stammen aus der Auswertung seiner Reisevideos und sind keine unabhängig überprüften Messdaten. Sie zeigen aber sehr anschaulich, dass bei einem Elektro-Lkw nicht nur die mögliche Ladeleistung des Fahrzeugs zählt. Die tatsächliche Leistung der Säule und deren Aufteilung auf mehrere Fahrzeuge entscheiden mit darüber, wie lange ein Ladehalt dauert.
Elektrotrucker – Video zum zweiten Ladestopp in Serbien
Verlag Bruchmann – Auswertung der ersten beiden Ladeetappen
Serbien: Nicht nur Autobahnen, sondern auch abgelegene Strecken
Wagner nutzt seine Weltreise ausdrücklich nicht dazu, möglichst schnell von einem Ladepunkt zum nächsten zu fahren. Er möchte Landschaften kennenlernen, Menschen treffen und unterwegs Erfahrungen sammeln, die auf einer reinen Autobahnfahrt kaum möglich wären.
Aus Serbien wurde in einem kurzen Video eine etwas ungewöhnliche Übernachtung bekannt. Wagner hatte seinen Lkw nachts an einem abgelegenen Platz abgestellt. Erst bei Tageslicht bemerkte er, wie steil das Gelände unmittelbar neben dem Zufahrtsweg abfiel.
Solche Erlebnisse gehören zur Expedition, zeigen aber auch die Grenzen einer Fahrt abseits bekannter Verkehrswege. Ein rund 16,5 Tonnen schweres Expeditionsfahrzeug lässt sich schließlich nicht mit einem Geländewagen vergleichen. Besonders bei unbekannten Zufahrten und unbefestigten Wegen sind Fahrzeughöhe, Gewicht und Bodenverhältnisse entscheidend.
Nach einem Aufenthalt im serbischen Bergland führte die Reise weiter Richtung Bulgarien.
Bulgarien erreicht – über Sofia nach Plowdiw
In der ersten Oktoberwoche erreichte der Elektrotrucker Bulgarien. Damit hatte er seit dem Start in Hannover bereits sein siebtes Reiseland erreicht. Nach einem Aufenthalt in Sofia führte die öffentlich dokumentierte Route weiter nach Plowdiw, der zweitgrößten Stadt Bulgariens.
Gerade die Fahrt durch Bulgarien ist interessant, weil Wagner das Land bereits von früheren Touren mit einem elektrischen Fernverkehrs-Lkw kennt. Damals hatte er unter anderem Erfahrungen mit dem bulgarischen Mautsystem gesammelt, das für schwere Güterfahrzeuge eine streckenbezogene Abrechnung vorsieht.
Diesmal war die Situation anders. Sein eActros ist als Wohnmobil zugelassen. Nach eigenen Angaben konnte Wagner deshalb in Bulgarien eine zeitbezogene Vignette nutzen, statt die kilometerabhängige Lkw-Maut entrichten zu müssen.
Das ist allerdings keine allgemeine Aussage über die Mautpflicht schwerer Elektro-Lkw. Die besondere Fahrzeugzulassung seines Expeditionsmobils spielt hier eine entscheidende Rolle und lässt sich nicht auf einen normalen Gütertransport übertragen.
6. Oktober: Empfang bei Silver Star in Plowdiw
Am Dienstag, dem 6. Oktober, stand ein offizieller Termin auf dem Programm. Wagner besuchte den Mercedes-Benz- und Daimler-Truck-Vertriebspartner Silver Star in Plowdiw. Vor dem dortigen Showroom wurde sein blau-orangefarbener Expeditions-eActros präsentiert.
Der Besuch wurde auch vom Bulgarischen Forum der Wirtschaftsführer dokumentiert. Nach dessen Bericht traf Wagner dort Vertreter von Transportunternehmen und Medien. Das Fahrzeug konnte aus nächster Nähe betrachtet werden, und Wagner erläuterte die technischen Besonderheiten sowie die bisher gesammelten Erfahrungen.
Silver Star ist in Bulgarien ein wichtiger Ansprechpartner für Mercedes-Benz-Pkw, Transporter, Lkw und Busse. Das Unternehmen betreibt unter anderem Standorte in Sofia, Plowdiw, Warna und Burgas.
Für die bulgarische Transportwirtschaft war der Besuch mehr als eine ungewöhnliche Fahrzeugpräsentation. Mit dem eActros 600 stand ein batterieelektrischer Fernverkehrs-Lkw im Mittelpunkt, dessen Technik auch in Bulgarien bereits bei Kunden eingesetzt wird.
Interessant ist, dass es bei diesem Treffen nicht ausschließlich um eine Rekordfahrt ging. Im Vordergrund standen Fragen, die auch für Transportunternehmer relevant sind: Wie groß ist die tatsächliche Reichweite? Welche Ladeinfrastruktur wird benötigt? Und wie wirtschaftlich kann ein elektrischer Lkw auf langen Strecken betrieben werden?
Bulgarisches Forum der Wirtschaftsführer – offizieller Bericht über den Besuch bei Silver Star am 6. Oktober
Ein ausführliches Interview liefert neue technische Einblicke
Besonders aufschlussreich ist ein am 6. Oktober veröffentlichter Bericht des bulgarischen Elektromobilitätsportals „Car Life by Dani“. Der Journalist traf Wagner in Plowdiw und konnte ausführlich mit ihm über die Expedition sprechen.
Dabei kamen zahlreiche Einzelheiten zur Sprache, die bisher nur teilweise bekannt waren. Dazu gehören das tatsächliche Fahrzeuggewicht, die Energieversorgung des Wohnaufbaus, der bisherige Durchschnittsverbrauch und die besondere Ladetechnik.
Wagner bezifferte das Gewicht seines Expeditionsfahrzeugs auf ungefähr 16,5 Tonnen. Der Lkw basiert auf einem serienmäßig produzierten eActros 600 mit 4x2-Fahrgestell, ist jedoch mit einem speziell entwickelten Wohnaufbau von Bliss Mobil ausgerüstet.
Nach seinen Angaben liegt der Fahrzeugwert bei ungefähr 500.000 Euro. Mercedes-Benz Trucks hat ihm das Fahrzeug für die Expedition zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig sollen die während der Weltreise gesammelten Betriebsdaten auch für die technische Weiterentwicklung interessant sein.
Das macht die Reise für den Hersteller zu einem ungewöhnlichen Praxistest. Ein Fahrzeug, das über lange Zeiträume durch unterschiedlichste Klimazonen, Straßenverhältnisse und Stromnetze fährt, liefert Erfahrungen, die sich auf einem europäischen Testgelände nur begrenzt nachstellen lassen.
Car Life by Dani – ausführliches Interview mit Tobias Wagner vom 6. Oktober 2026 (Bulgarisch)
Der Verbrauch: bisher rund 60 kWh auf 100 Kilometer
Eine der interessantesten Aussagen betrifft den tatsächlichen Energieverbrauch. Wagner gab in Plowdiw an, dass sein Expeditions-eActros bislang durchschnittlich ungefähr 60 kWh auf 100 Kilometer benötigt.
Auf der Strecke von Sofia nach Plowdiw lag der Verbrauch sogar bei etwa 53 kWh auf 100 Kilometer. Hier spielte allerdings auch das Streckenprofil eine Rolle, denn die Fahrtrichtung begünstigte den Energieverbrauch durch ein leichtes Gefälle.
Wagner fährt nach eigenen Angaben normalerweise mit etwa 80 km/h. Wo es die Verkehrssituation erlaubt und er niemanden behindert, reduziert er die Geschwindigkeit auch auf ungefähr 70 km/h.
Diese Fahrweise wirkt sich natürlich auf den Energieverbrauch aus. Gerade bei einem Fahrzeug mit großem Wohnaufbau spielt der Luftwiderstand eine erhebliche Rolle.
Bei 60 kWh auf 100 Kilometer reichen rechnerisch 600 kWh für ungefähr 1.000 Kilometer. Das erklärt die bislang außergewöhnlich langen Etappen zwischen den Ladestopps.
Für einen regulären Fernverkehrs-Lkw mit 40 Tonnen Gesamtzuggewicht sind diese Werte jedoch nicht repräsentativ. Der Expeditions-eActros ist deutlich leichter und transportiert keine schwere Nutzlast. Wagner selbst geht bei einem beladenen Fahrzeug eher von 600 bis 700 Kilometern Reichweite unter günstigen Bedingungen aus.
Damit bleibt der Unterschied zwischen der Weltreise und dem täglichen Güterverkehr wichtig. Die Expedition zeigt das technische Potenzial des Antriebs, ersetzt aber keine Wirtschaftlichkeitsrechnung für einen voll ausgelasteten Sattelzug.
Warum Berge für einen Elektro-Lkw nicht zwangsläufig ein Problem sind
Auch über das Fahren in bergigem Gelände sprach Wagner ausführlich. Viele Fahrer vermuten, dass lange Steigungen für Elektro-Lkw grundsätzlich ein besonderes Problem darstellen. Tatsächlich steigt der Energiebedarf bergauf deutlich an, allerdings kann beim anschließenden Gefälle ein erheblicher Teil der zuvor eingesetzten Energie zurückgewonnen werden.
Der eActros 600 verfügt über eine leistungsfähige Rekuperation. Dabei arbeiten die Elektromotoren beim Verzögern als Generatoren und speisen elektrische Energie zurück in die Batterie.
Wagner berichtete, dass der Verbrauch bei den Bergfahrten in Serbien zwar angestiegen sei, die Rekuperation auf den anschließenden Gefällestrecken jedoch einen großen Teil davon wieder ausgeglichen habe.
Für die Praxis bedeutet das allerdings nicht, dass Bergstrecken ohne zusätzlichen Energieaufwand gefahren werden können. Auch beim elektrischen Antrieb entstehen Verluste. Entscheidend ist vielmehr, dass die Bremsenergie nicht vollständig in Wärme umgewandelt wird, wie es bei einer herkömmlichen Betriebsbremse der Fall wäre.
Der Wohnaufbau besitzt seine eigene Stromversorgung
Ein weiteres interessantes Detail betrifft den Wohnbereich. Dieser wird nicht einfach aus der großen Antriebsbatterie des Lkw versorgt.
Nach Wagners Angaben verfügt der Aufbau über eine eigene Batterie mit ungefähr 10 kWh Kapazität. Zusätzlich sind Solarmodule mit einer installierten Spitzenleistung von rund 1 kW vorhanden.
Damit können Beleuchtung, Küchengeräte, Unterhaltungselektronik und andere Verbraucher des Wohnbereichs betrieben werden, ohne unmittelbar die Reichweite des Lkw zu belasten.
Auch das mitgeführte elektrische Motorrad besitzt eine eigene Batterie mit ungefähr 10 kWh. Es kann als Erkundungsfahrzeug genutzt werden, beispielsweise um Städte zu besuchen oder Ladepunkte auf ihre Erreichbarkeit zu überprüfen.
Für die kalten Regionen der Weltreise ist der Wohnaufbau außerdem mit einer zusätzlichen Heizmöglichkeit ausgestattet. Wagner möchte möglichst viel Energie aus der eigenen Solaranlage nutzen, muss aber gerade in den Wintermonaten mit geringeren Solarerträgen rechnen.
Die mobile Ladestation – das vielleicht wichtigste Ausrüstungsteil
Hinter dem Fahrerhaus führt Wagner eine eigene DC-Ladestation von Alpitronic mit. Dabei handelt es sich um eine mobile Lösung auf Basis eines Hyperchargers, die das Laden aus geeigneten Wechselstromanschlüssen ermöglicht.
Der eActros selbst wird über CCS mit Gleichstrom geladen. Die mobile Anlage übernimmt deshalb die Umwandlung des verfügbaren Wechselstroms in den für die Fahrzeugbatterie benötigten Gleichstrom.
Bei einer entsprechend leistungsfähigen dreiphasigen Versorgung sind bis zu etwa 43 kW möglich. Je nach Stromanschluss kann die Anlage auch mit geringerer Leistung betrieben werden.
Wagner führt dafür zahlreiche Adapter und Kabel mit. Dazu gehören Lösungen für unterschiedliche Steckersysteme sowie für die Nutzung geeigneter öffentlicher AC-Ladeanschlüsse.
Gerade in Regionen ohne öffentliche Schnellladestationen könnte diese Ausrüstung entscheidend werden. Denn ein großer Industriebetrieb, ein Hafen oder ein Hotel mit entsprechend leistungsfähigem Drehstromanschluss könnte theoretisch eine Lademöglichkeit bieten.
Der Nachteil ist die lange Ladezeit. Wer mehrere hundert Kilowattstunden mit 22 oder 43 kW nachladen muss, benötigt viele Stunden. Für eine Expedition mit ausreichend Zeit ist das akzeptabel, für einen wirtschaftlich disponierten Fernverkehrs-Lkw wäre es dagegen kaum eine praktikable Dauerlösung.
Wagner betonte in dem bulgarischen Interview allerdings, dass die eigene Ladestation möglichst nur als Reserve eingesetzt werden soll. Sein Ziel bleibt, die Weltreise überwiegend mit öffentlich zugänglicher Ladeinfrastruktur zu bewältigen.
Turkmenistan – hier beginnt die eigentliche Herausforderung
Besonders interessant wurde das Gespräch, als Wagner über die geplanten Etappen in Zentralasien berichtete. Ausgerechnet Turkmenistan bereitet ihm derzeit die größten Sorgen.
Während sich in Europa und inzwischen auch in zahlreichen asiatischen Ländern öffentliche Schnellladepunkte finden lassen, sind über die Ladeinfrastruktur in Turkmenistan nur sehr wenige belastbare Informationen verfügbar.
Nach seiner derzeitigen Planung möchte Wagner von Baku in Aserbaidschan mit möglichst voller Batterie über das Kaspische Meer übersetzen. Anschließend soll die Reise von Turkmenistan weiter Richtung Usbekistan führen.
Das Problem liegt auf der Hand: Zwischen den einzelnen Etappen muss der eActros zuverlässig nachgeladen werden können. Wagner denkt deshalb unter anderem darüber nach, geeignete Stromanschlüsse bei Hotels oder anderen Betrieben zu nutzen.
Auch die Ladeinfrastruktur elektrischer Stadtbusse könnte eine Rolle spielen. Wo elektrische Busse verkehren, muss es grundsätzlich auch Möglichkeiten geben, größere Batterien mit Energie zu versorgen. Ob solche Einrichtungen für seinen Lkw tatsächlich zugänglich und technisch geeignet sind, muss jedoch jeweils vor Ort geklärt werden.
Genau hier liegt der besondere Reiz der Expedition. In Deutschland diskutieren wir über die Anzahl von Megawatt-Ladepunkten entlang der Autobahnen. In Teilen Zentralasiens könnte dagegen schon ein geeigneter Drehstromanschluss zu einer entscheidenden Etappenstation werden.
Wie geht es weiter? Istanbul, Aksaray und Kappadokien
Beim Treffen in Plowdiw berichtete Wagner auch über die nächsten geplanten Stationen. Für Freitag, den 9. Oktober, war demnach ein Termin in Istanbul mit Achim Puchert, dem Chef von Mercedes-Benz Trucks, vorgesehen.
Anschließend sollte die Reise weiter zum Mercedes-Benz-Werk in Aksaray führen. Dort werden Nutzfahrzeuge produziert, und der Standort spielt auch bei der Entwicklung und Erprobung schwerer Nutzfahrzeuge eine wichtige Rolle.
Darüber hinaus war ein Aufenthalt in der Region Kappadokien geplant, bevor die Reise weiter in Richtung Kaukasus gehen sollte.
Wichtig ist allerdings die zeitliche Einordnung: Diese Termine wurden am 6. Oktober als Reiseplanung genannt. Eine belastbare öffentliche Bestätigung, dass sämtliche Termine bis zum Ende unserer dritten Beobachtungswoche tatsächlich stattgefunden haben, liegt uns noch nicht vor.
Wir führen sie deshalb ausdrücklich als geplante Stationen und nicht als bereits absolvierte Unternehmensbesuche auf.
Wo befindet sich der Elektrotrucker aktuell?
Der letzte durch die ausgewerteten, datierten Veröffentlichungen eindeutig belegte Standort dieser Woche ist Plowdiw in Bulgarien am 6. Oktober.
Dass Wagner anschließend in Richtung Türkei weiterfahren wollte, ist dokumentiert. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, wo sich der eActros am Montagmorgen, dem 12. Oktober, tatsächlich befindet.
Wie bereits in den vergangenen Wochen werden die Reisepositionen teilweise zeitversetzt veröffentlicht. Wir werden deshalb auch weiterhin nur bestätigte Stationen nennen und nicht versuchen, aus der geplanten Route einen vermeintlichen Live-Standort abzuleiten.
Die dritte Woche in Zahlen
Berichtszeitraum: 5. bis 11. Oktober 2026
Dokumentierte Länder: Serbien und Bulgarien
Wichtige Stationen: Ćićevac – Sofia – Plowdiw
Bestätigter Unternehmensbesuch: Silver Star, Plowdiw, 6. Oktober
Gesprächspartner: Vertreter der Transportwirtschaft und bulgarische Medien
Fahrzeug: Mercedes-Benz eActros 600 mit Expeditionsaufbau
Fahrzeuggewicht: nach Wagners Angaben etwa 16,5 Tonnen
Batteriekapazität: 621 kWh installiert
Bisheriger Durchschnittsverbrauch: nach eigenen Angaben rund 60 kWh/100 km
Verbrauch Sofia–Plowdiw: etwa 53 kWh/100 km
Große Ladestopps bis zum Besuch in Plowdiw: zwei
Zusätzliche mobile Ladetechnik: Alpitronic, bis zu etwa 43 kW aus geeigneter AC-Versorgung
Zuletzt eindeutig bestätigter Standort: Plowdiw, 6. Oktober 2026
Geplante Weiterfahrt: Istanbul – Aksaray – Kappadokien – Kaukasus
Was bedeutet diese Weltreise für Transportunternehmer?
Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass batterieelektrische Antriebe auch auf langen Strecken leistungsfähig sein können. Ein Verbrauch von rund 60 kWh auf 100 Kilometer bei einem 16,5 Tonnen schweren Fahrzeug ist technisch durchaus bemerkenswert.
Für den wirtschaftlichen Fernverkehr ist allerdings nicht die maximale Reichweite eines einzelnen Fahrzeugs entscheidend. Wichtig sind die tatsächlichen Transportkosten, die verfügbare Nutzlast, die Zuverlässigkeit der Ladeinfrastruktur und die Frage, ob sich Ladezeiten sinnvoll mit den gesetzlichen Ruhezeiten verbinden lassen.
Auch der Unterschied zwischen einem Expeditionsmobil und einem normalen Gütertransport darf nicht übersehen werden. Wagner kann seine Route frei gestalten, zusätzliche Übernachtungen einlegen und notfalls viele Stunden auf einen geeigneten Stromanschluss warten.
Ein Transportunternehmer mit festen Lieferterminen, einem beladenen Sattelzug und wirtschaftlichem Kostendruck hat diese Freiheit nicht.
Trotzdem liefert die Expedition wertvolle Erkenntnisse. Denn viele technische Schwierigkeiten, die Wagner auf seiner Reise lösen muss, betreffen grundsätzlich auch die Zukunft des elektrischen Fernverkehrs: geeignete Ladeanschlüsse, internationale Kompatibilität, verfügbare Netzleistung und die Zugänglichkeit von Ladepunkten für große Nutzfahrzeuge.
Fazit nach der dritten Woche
Die dritte Reisewoche brachte keine spektakuläre neue Reichweitenbestmarke, dafür aber interessante Einblicke in die tatsächlichen Betriebsbedingungen des Expeditionsfahrzeugs.
Mit dem Besuch bei Silver Star in Plowdiw wurde erneut deutlich, dass die Weltreise nicht nur aus Fahren und Laden besteht. Wagner nutzt die Gelegenheit, mit Transportunternehmen, Herstellern und Fachmedien über batterieelektrische Nutzfahrzeuge zu sprechen.
Die bisherigen Verbrauchswerte zeigen das Potenzial eines vergleichsweise leichten Elektro-Lkw. Gleichzeitig wird immer deutlicher, dass die eigentlichen Herausforderungen nicht in Europa liegen.
Spannend wird es spätestens dann, wenn der eActros öffentliche Schnelllader hinter sich lassen muss und die Suche nach geeigneten Stromanschlüssen zum Bestandteil der Reiseplanung wird.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr, ob Wagner mit seinem eActros 900 Kilometer fahren kann. Sondern ob er auch dort weiterkommt, wo niemand auf einen elektrischen Fernverkehrs-Lkw vorbereitet ist.
Wir bleiben dran und begleiten die Weltreise weiter – mit den tatsächlich dokumentierten Etappen, Unternehmensbesuchen, technischen Erfahrungen und einer neuen Karte in jeder Woche.
Quellen und weiterführende Informationen
Bulgarisches Forum der Wirtschaftsführer – Silver Star und Elektrotrucker am 6. Oktober
Car Life by Dani – ausführliches Interview in Plowdiw vom 6. Oktober
Verlag Bruchmann – technische Auswertung der ersten Ladeetappen vom 8. Oktober
Daimler Truck – offizielle Informationen zur Weltreise
Mercedes-Benz RoadStars – Begleitung der Weltreise
YouTube – Elektrotrucker
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