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Frachtsätze steigen – doch Verkehr und Lagerei führen die Insolvenzstatistik an

28.09.2026 09:08 (zuletzt bearbeitet: 28.09.2026 09:08)
#1 Frachtsätze steigen – doch Verkehr und Lagerei führen die Insolvenzstatistik an
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Arndt

Frachtsätze steigen – doch Verkehr und Lagerei führen die Insolvenzstatistik an


Wer derzeit über höhere Frachtsätze spricht, könnte meinen, die wirtschaftliche Lage im Transport entspanne sich. Zwei neue Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamtes zeichnen ein schwierigeres Bild: Im zweiten Quartal 2026 stiegen die Preise im Straßengüterverkehr deutlich. Zugleich weist der Wirtschaftsabschnitt „Verkehr und Lagerei“ für das erste Halbjahr die höchste Insolvenzhäufigkeit aller Branchen auf. Wie passt das zusammen?

Was die Preisstatistik tatsächlich zeigt


Die Erzeugerpreise im Straßengüterverkehr lagen im zweiten Quartal 2026 um 5,8 Prozent über dem entsprechenden Vorjahresquartal und um 3,5 Prozent über dem ersten Quartal 2026. Bei Speditionsleistungen betrug der Anstieg gegenüber dem Vorjahr 6,2 Prozent. Destatis führt die deutlichen Steigerungen auch auf höhere Treibstoffkosten zurück.

Diese Werte beschreiben die Entwicklung der Preise für erbrachte Dienstleistungen. Sie sind keine Gewinnstatistik und sagen nicht, dass jeder Betrieb seine Frachtraten um 5,8 Prozent erhöhen konnte. Ebenso wenig zeigen sie, ob eine Preiserhöhung ausreichte, um zusätzliche Kosten zu decken.

In welchen Branchen war die Insolvenzquote am höchsten?


Im ersten Halbjahr 2026 registrierten die Amtsgerichte deutschlandweit 12.812 beantragte Unternehmensinsolvenzen. Das waren 6,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Um Branchen unterschiedlicher Größe vergleichbar zu machen, gibt Destatis zusätzlich die Zahl der Insolvenzen je 10.000 Unternehmen an.

Die in der amtlichen Mitteilung ausgewiesenen Spitzenplätze lauten:

• Platz 1: Verkehr und Lagerei – 71,6 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen
• Platz 2: Gastgewerbe – 59,6 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen
• Platz 3: Baugewerbe – 53,4 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen

Über alle Branchen hinweg lag der Wert bei 36,2. „Verkehr und Lagerei“ erreichte damit nahezu das Doppelte des gesamtwirtschaftlichen Durchschnitts. Wichtig für die Einordnung: Der Wirtschaftsabschnitt umfasst neben dem Straßengüterverkehr weitere Verkehrs- und Lagerdienstleistungen. Die 71,6 Fälle sind deshalb keine gesonderte Insolvenzquote allein für Transportunternehmen.

Warum höhere Preise einen Betrieb nicht automatisch retten


Für den einzelnen Transportunternehmer entscheidet nicht die durchschnittliche Entwicklung der Frachtsätze, sondern die Marge seiner Aufträge. Steigt ein Erlös, während Diesel, Personal, Finanzierung oder Reparaturen ebenfalls teurer werden, kann unter dem Strich trotzdem weniger übrig bleiben. Hinzu kommen Unterschiede zwischen Betrieben: Ein Unternehmen kann Preise kurzfristig anpassen, ein anderes ist an länger laufende Verträge gebunden.

Eine Insolvenz hat zudem selten nur eine Ursache. Schwache Margen über längere Zeit, fehlende Liquiditätsreserven oder unbezahlte Kundenrechnungen können zusammenwirken. Die beiden Statistiken belegen weder, dass gestiegene Treibstoffkosten die gemeldeten Insolvenzen verursacht haben, noch, dass höhere Frachtsätze alle Betriebe gleichermaßen erreicht haben.

Auch die Zeiträume sind verschieden: Die Preiszahlen betreffen das zweite Quartal, die Insolvenzquote das gesamte erste Halbjahr. Insolvenzanträge gehen außerdem erst nach einer ersten Entscheidung des Gerichts in die amtliche Statistik ein. Eine unmittelbare Gegenüberstellung einzelner Monate wäre daher irreführend.

Was Transportunternehmer aus den Zahlen mitnehmen können


Ein gestiegener Marktpreis ist ein Anlass, die eigene Kalkulation zu überprüfen – kein Beleg für einen auskömmlichen Auftrag. Bei jedem Angebot sollte klar sein, welcher Betrag nach Kraftstoff, Maut, Fahrerzeit und den festen Fahrzeugkosten verbleibt. Bei Bestandskunden lohnt der Blick darauf, wie schnell Dieselzuschläge oder andere Preisgleitklauseln auf Kostenänderungen reagieren.

Die amtlichen Zahlen werfen damit eine praktische Frage auf: Sind die zuletzt gestiegenen Frachtsätze bei den ausführenden Unternehmen angekommen, und reichen sie dort für eine tragfähige Marge? Wie erlebt ihr das in euren Verträgen und bei neuen Preisverhandlungen?

Quellen


• Statistisches Bundesamt, Erzeugerpreise für Dienstleistungen im 2. Quartal 2026, 18.09.2026: https://www.destatis.de/DE/Presse/Presse..._329_61311.html
• Statistisches Bundesamt, Unternehmensinsolvenzen im Juni und im 1. Halbjahr 2026, 11.09.2026: https://www.destatis.de/DE/Themen/Branch...en/_inhalt.html

Gruß vom Arndt


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