Forumsbeitrag teilen
Beitragsbild
Text des Beitrags
Direktlink zum Beitrag
Direkt zu Social Media
Facebook, LinkedIn und XING: Das Beitragsbild und die Linkvorschau werden über die Social-Share-Brücke erzeugt. Der vollständige Beitragstext wird zusätzlich in die Zwischenablage kopiert. Im geöffneten Netzwerk bei Bedarf nur noch Strg+V drücken.
WhatsApp / WhatsApp Business: Für die Bildübertragung wird die Geräte-Teilen-Funktion verwendet. Dort bitte WhatsApp bzw. WhatsApp Business auswählen. Das Beitragsbild wird als echte Bilddatei übergeben; Text und Direktlink werden zusätzlich mitgegeben. Falls das Originalbild vom Browser blockiert wird, lädt die aktuelle Strato-Bridge es über einen datensparsamen Bild-Proxy nach.

Netzwerk.Zukunft.Logistik - 29.09.2026 in München

30.09.2026 14:57
#1 Netzwerk.Zukunft.Logistik - 29.09.2026 in München
avatar
Arndt

Netzwerk.Zukunft.Logistik – gute Gespräche, klare Worte und zwei Themen, die die Branche teuer zu stehen kommen können


Auf Einladung von @Gerhard Grünig , Chefredakteur der VerkehrsRundschau, waren wir gestern, am 29. September 2026, in München beim zweiten Treffen des neuen „Netzwerk.Zukunft.Logistik“.

Ich kenne Gerhard nicht als jemanden, der seinen Arbeitstag gemütlich im „Chef-Massagesessel“ verbringt. Im Gegenteil: Ich habe ihn über die Jahre als jemanden kennengelernt, dem die Belange der Transport- und Logistikbranche tatsächlich am Herzen liegen und der versucht, die Themen der Unternehmen dorthin zu bringen, wo sie gehört werden.
Uns beide treibt dabei im Grunde dieselbe Frage um:
"Wie erreichen wir eigentlich noch die Transportunternehmer, Geschäftsführer und Entscheider unserer Branche?"

Informationen gibt es genug – aber kommen sie auch an?


Dass wir im Straßengüterverkehr derzeit genügend Probleme haben, muss an dieser Stelle niemandem mehr ausführlich erklärt werden. Kostenentwicklung, Fahrermangel, Bürokratie, Maut, Digitalisierung, neue gesetzliche Anforderungen und ein immer härter werdender Wettbewerb beschäftigen nahezu jedes Unternehmen.

Trotzdem stelle ich in Gesprächen mit Branchenvertretern und Unternehmern immer wieder fest, dass wichtige Entwicklungen teilweise erstaunlich spät wahrgenommen werden. Ein Beispiel ist die elektronische Rechnung. Weihnachten kommt bekanntlich jedes Jahr völlig überraschend – und bei einigen Unternehmen scheint es mit der E-Rechnung ähnlich zu sein. Kaum hat man das Faxgerät endgültig abgestellt, kommt plötzlich die nächste digitale Herausforderung um die Ecke.

Das ist natürlich etwas überspitzt formuliert. Aber genau darin liegt aus meiner Sicht ein reales Problem: Informationen sind heute praktisch überall verfügbar. Entscheidend ist jedoch, ob sie die richtigen Personen rechtzeitig erreichen und ob daraus anschließend auch konkretes Handeln entsteht.

Genau hier könnte ein Netzwerk wie „Netzwerk.Zukunft.Logistik“ ansetzen. Nicht mit noch mehr theoretischen Veranstaltungen, sondern mit einem praxisnahen Austausch zwischen Transportunternehmern, Verladern, Logistikern, Herstellern, Dienstleistern, Versicherern und Fachleuten. Ich bin deshalb gespannt, ob und vor allem wie wir dieses Netzwerk gemeinsam mit Leben füllen können.

Fake Carrier und Cyber Security – zwei unterschätzte Risiken


Der fachliche Teil des Treffens beschäftigte sich mit zwei Themen, die inzwischen unmittelbar zusammengehören: Fake Carrier und Cyber Security. Die beiden Vorträge der Schunck-Mitarbeiter waren sehr informativ und gingen erfreulicherweise deutlich tiefer als viele der üblichen allgemeinen Hinweise zu diesen Themen.

Denn bei beiden Bereichen zeigt sich ein ähnliches Problem: Wir bewegen enorme Werte – behandeln die damit verbundenen Risiken teilweise aber noch immer wie ein Randthema. Ein Transportunternehmen kann Millionen Euro Jahresumsatz erwirtschaften und gleichzeitig vielleicht gerade einmal 1.000 Euro im Jahr für seine IT- und Cybersicherheit ausgeben.

Gleichzeitig werden Frachten vergeben, deren Warenwert problemlos 100.000, 200.000 oder 300.000 Euro und mehr betragen kann. Und dann genügt möglicherweise eine gefälschte E-Mail, eine manipulierte Identität oder ein vermeintlich günstiger Subunternehmer, damit eine komplette Ladung verschwindet.



Wer fährt eigentlich mit unserer Ladung vom Hof?


Gerade beim Thema Fake Carrier beziehungsweise Phantomfrachtführer wurde sehr deutlich, wie professionell inzwischen vorgegangen wird. Es reicht deshalb nicht mehr, irgendwo einen Firmennamen, eine Telefonnummer und vielleicht noch eine vermeintliche EU-Lizenz zu sehen und anschließend den Auftrag freizugeben.

Die entscheidende Frage lautet: Haben wir tatsächlich überprüft, wem wir gerade eine möglicherweise mehrere hunderttausend Euro teure Ladung anvertrauen?

Existiert das Unternehmen wirklich? Stimmen Unternehmensdaten, Ansprechpartner, Telefonnummern und E-Mail-Adressen? Passt die Bankverbindung zum Unternehmen? Ist die vorgelegte Lizenz echt? Werden Kontaktdaten verwendet, die tatsächlich zum Unternehmen gehören?

Und gibt es möglicherweise Warnzeichen, die bei einer etwas gründlicheren Prüfung sofort aufgefallen wären? Genau an dieser Stelle muss aus meiner Sicht in Teilen unserer Branche ein Umdenken stattfinden.

Die Versicherer haben bereits umgedacht


Besonders interessant war für mich auch die versicherungsrechtliche Seite. Denn während manches Unternehmen Cyberkriminalität oder Ladungsbetrug noch immer als etwas betrachtet, „das hoffentlich nicht passiert“, beschäftigen sich Versicherer längst sehr intensiv mit den vorhandenen Sicherheits- und Organisationsstrukturen eines Unternehmens.

Im Schadenfall kann deshalb entscheidend werden, welche Prüfprozesse im Unternehmen tatsächlich vorhanden waren. Wurde ein neuer Frachtführer überprüft? Gab es festgelegte Freigabeprozesse? Wurden Auffälligkeiten ignoriert? Gab es ausreichende technische und organisatorische Maßnahmen im Bereich der IT-Sicherheit?

Oder wurde eine wertvolle Ladung im Prinzip nach dem Motto vergeben: „Die Firma wird schon stimmen.“ Bei groben organisatorischen Versäumnissen kann es für Unternehmen im Schadenfall sehr unangenehm werden. Versicherungen prüfen zunehmend genau, welche Schutz- und Kontrollmaßnahmen vorhanden waren und ob vereinbarte Obliegenheiten eingehalten wurden.

Spätestens dann kann aus einer vermeintlich eingesparten Prüfung ein sehr teurer Fehler werden.

Cybersicherheit ist längst kein IT-Thema mehr


Ein weiterer Punkt wurde beim Treffen ebenfalls sehr deutlich: Cybersicherheit darf nicht mehr ausschließlich als Aufgabe des „Computer-Mannes“ oder des externen IT-Dienstleisters betrachtet werden.

Wenn ein Unternehmen nach einem Cyberangriff keine Aufträge mehr disponieren, keine Rechnungen schreiben, keine Transportdaten abrufen und möglicherweise nicht einmal mehr auf seine Kundendaten zugreifen kann, haben wir kein IT-Problem mehr. Dann haben wir ein Unternehmensproblem.

Und gerade kleinere und mittelständische Transportunternehmen sollten sich nicht darauf verlassen, für Cyberkriminelle uninteressant zu sein. Im Gegenteil: Unternehmen mit überschaubaren IT-Strukturen und schwachen Sicherheitsmaßnahmen können gerade deshalb interessante Ziele sein.

Mein Fazit


Der Vormittag in München hat für mich erneut gezeigt, dass wir in unserer Branche nicht nur über Dieselpreise, Maut und Frachtraten sprechen dürfen. Die Risiken verändern sich.

Heute kann ein Unternehmen durch eine manipulierte E-Mail, einen gefälschten Frachtführer oder einen einzigen unbedachten Klick innerhalb kürzester Zeit einen Schaden erleiden, der deutlich höher ist als das, was man zuvor jahrelang bei Versicherungsprämien oder IT-Sicherheit einsparen wollte.

Wir machen Millionenumsätze, transportieren Warenwerte von mehreren hunderttausend Euro – und müssen dann auch bereit sein, einige Euro und etwas Zeit in die Prüfung unserer Geschäftspartner und in die Sicherheit unserer Unternehmen zu investieren. Dass hier noch Aufklärungsbedarf besteht, hat das Treffen aus meiner Sicht sehr deutlich gezeigt.

Und genau deshalb finde ich den Ansatz des neuen „Netzwerk.Zukunft.Logistik“ interessant. Ob daraus tatsächlich ein Netzwerk entsteht, das die Entscheider unserer Branche erreicht und nicht nur die erreicht, die ohnehin schon gut informiert sind, wird sich zeigen. Ich bin gespannt – und wir werden uns einbringen.

Nach dem fachlichen Teil ging es anschließend gemeinsam auf die Münchner Wiesn in die Ochsenbraterei. Dort blieb bei bayerischer Verpflegung natürlich noch genügend Gelegenheit, die Gespräche des Vormittags etwas weniger förmlich fortzusetzen. Manchmal entstehen die interessantesten Gedanken schließlich nicht am Konferenztisch, sondern beim persönlichen Gespräch danach.



Vielen Dank auch an Andrea Volz für die hervorragende Organisation und nicht zuletzt für die souveräne Führung durch den Münchner Großstadtdschungel. Ein Dank geht ebenso an Ralf Schmidt von der VerkehrsRundschau – spannende Themen, interessante Gespräche und viele gute Anregungen.

Gruß vom Arndt


 Antworten

 Beitrag melden
05.10.2026 08:55
#2 RE: Netzwerk.Zukunft.Logistik - 29.09.2026 in München
avatar
Neueinsteiger

„Chef-Massagesessel“ klingt gut. Tatsächlich hab‘ ich einen ganz normalen Bürostuhl, den ich aber wenig nutze, weil ich tatsächlich lieber „draußen“ bin bei meinen Lesern und nahe an der Zielgruppe.
Leider muss ich bei den bestehenden Netzwerken immer wieder feststellen, dass ich zu 90 Prozent die gleichen Menschen treffe. Damit will ich allerdings keine Kritik üben. Ich schätze diese Treffen sehr und der Austausch dort ist wichtig.
Nur erreichen wir leider selten die große, aber stille Masse der eher kleinen Transportunternehmer – diejenigen, die im Schatten der Großen stehen, aber dennoch das Gros der Transportleistung erbringen. Die arbeiten leider zu oft im Unternehmen, als am Unternehmen. Das kann eigentlich nicht dauerhaft gut gehen, bei all den Themen, die wir vor der Brust haben.
Mit unserem neuen Netzwerk haben wir uns vorgenommen, durch kurzweilige, lokale Events in Präsenz und auch remote die Themen zu den Leuten zu bringen. Wir wollen nicht tagelang diskutieren, sondern auf den Punkt kommen – ein, zwei Stunden, das Wichtigste kompakt, und dann wieder zurück an den Schreibtisch, ob jetzt mit oder ohne Massagesessel.
Der Event in München zu Cyber-Sicherheit und Phantom-Frachtführer hat den Anfang gemacht. Weiter geht’s im nächsten Monat mit dem Thema „Defense-Logistik“. Was kommt da auf die Unternehmen zu, wie kann man eventuell sogar Geld damit verdienen oder auch die Frage, was eigentlich passiert, wenn viele Fahrer und Lagerarbeiter plötzlich „einrücken“ müssen. Das Webinar ist kostenlos, weil wir mit Schunck einen Partner haben, der uns im neuen Netzwerk unterstützt. Wer sich anmelden möchte, findet alle weiteren Infos auf der Website der Verkehrsrundschau, unter den Events.
Und Deine Idee mit der anstehenden elektronischen Rechnung greife ich gerne auf und wir überlegen mal, wie wir da noch Hilfestellung geben können.


 Antworten

 Beitrag melden
05.10.2026 09:35
#3 Online-Seminar: Zivil-militärische Logistik: Was jetzt auf Unternehmen zukommt
avatar
Arndt

Zitat von Gerhard Grünig im Beitrag #2
Weiter geht’s im nächsten Monat mit dem Thema „Defense-Logistik“. Was kommt da auf die Unternehmen zu, wie kann man eventuell sogar Geld damit verdienen oder auch die Frage, was eigentlich passiert, wenn viele Fahrer und Lagerarbeiter plötzlich „einrücken“ müssen.



Dass wir über solche Szenarien überhaupt wieder ernsthaft reden und diskutieren müssen, finde ich ziemlich gruselig. Leider ist es inzwischen Realität.
In meinem Alter gehöre ich wohl eher schon zum „letzten Aufgebot“. Aber meine drei Söhne möchte ich ganz sicher nicht irgendwann „einrücken“ sehen.

10
2026
29
Online-Seminar
von der
VerkehrsRundschau


Online-Seminar: Zivil-militärische Logistik: Was jetzt auf Unternehmen zukommt
Welche Anforderungen stellen Bundeswehr und Rüstungsindustrie künftig an Logistiker? Experten berichten über Chancen, Risiken und erste Erfahrungen

Gruß vom Arndt


 Antworten

 Beitrag melden
Bereits Mitglied?
Jetzt anmelden!
Mitglied werden?
Jetzt registrieren!
×
×

📝 Rahmen-Generator mit "Fieldset"














Vorlagen:

Live-Ansicht:

📝 📝

In die Zwischenablage kopiert!